Tag: Buenos Aires

#19 Weit weg: Einmal Kapitalismus. Bitte.

burger

Jetzt habe ich Argentinien endgültig verlassen. Schweren Herzens, defintiv. Aber auch mit der Gewissheit, dass mir noch eine Woche Urlaub bevor stehen. Samstag Abend bin ich in einem Ruf-Taxi (der Fahrer hat Vorfahren aus Stuttgart!) zum Internationalen Flughafen in Buenos Aires geheizt. Aus dem Radio tönte klassische Musik. Trauerstimmung war angesagt. Die ganzen dreizehn Wochen liefen vor meinen Augen ab wie ein Film. Ein verdammt geiler Film. Jetzt läuft der Abspann. Flughafen, Menschenmassen, United Airlines Schalter. Der letzte Satz lautet: „Einmal Kapitalismus, bitte.“ Ich lasse mir mein Ticket nach New York überreichen und ab geht’s.

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#18 Weit weg: Das war also Buenos Aires

tango


Ich sitze in einer kleinen Bar an einer menschenüberfluteten Straßenecke. Hier drinnen herrscht Ruhe, draußen Chaos. Buenos Aires. Platz sechzehn in der Liste der größten Städte der Welt, die größte in der ich bisher war. Wahnsinn. Gerade einmal sechs Tage habe ich hier verbracht. Das ist eigentlich nicht einmal genug um hier einen Stadtteil wirklich kennenzulernen. Ich habe sechs kennengelernt, im Schnelldurchlauf. Genug um sagen zu können, die Stadt ist ein Kracher. Aber auch genug um festzustellen, dass es sich bei Buenos Aires um nichts anderes handelt, als um Barcelona in groß. Oder sehr groß.

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#17 Weit weg: Gracias, Córdoba!

unacalle

Samstag Abend, zehn vor zehn. Ich sitz im Reisebus, erster Platz, oben, vorne rechts. Ich schaue durch die dreckige Scheibe und vor mit liegt der Busbahnhof Córdobas. Vor mir liegt Córdoba. Vor mir liegt aber auch eine zehnstündige Reise nach Buenos Aires. Der Bus kommt ins Rollen, verlässt den Busbahnhof. Er verlässt das Zentrum und schließlich die Stadt. Und dann liegt Córdoba ganz plötzlich hinter mir. Zusammen mit drei Monaten meines Lebens. Drei geile Monate, vielleicht drei der geilsten Monate meine bisheriges Lebens. Mit Sicherheit aber drei der wichtigsten. Es ist unbeschreiblich, wie viel ich in zwölf Wochen hier erlebt habe, wie viele neue Erfahrungen ich gemacht habe, was für tolle Leute ich kennengelernt habe und vor allem was ich fürs Leben gelernt habe (Sagt man doch so, oder?). Unbeschreiblich.

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#16 Weit weg: Was soll ich euch noch erzähl’n?

platzandersonne

…außer eine kleine Episode um was klar zu stellen.“ So singen EinsZwo. Ich kann nicht all zu viel erzählen im Moment. Meine „Gut gelaunt“-Tour 2010 läuft wunderbar. Langsam läuft die heiße Phase an und mir läuft die Zeit davon. Ich gehe meinen Weg. Läuft. Aber eben momentan relativ unspektakulär, es passiert einfach nichts spannendes. Córdoba ist abgenutzt. Ich war auf der größten kleinen Party überhaupt, habe miterlebt wie schnell argentinische Zweitligafans ein Stadion zum beinahe-Einsturz bringen können, habe Stunden auf einem Polizeirevier verbracht, bin durch Mittelerde spaziert und durch den Himmel gedüst, habe mit mit revolutionären Bakterien und trockenem Reis einen bitteren Fight geliefert und und und. Ich lebe noch, mehr ist nicht zu sagen. Ich bin noch genau drei Tage hier in der Stadt und wenn ich, nach einem möglichen deutschen Sieg, am Samstag nicht auf offener Straße abgestochen und anschließend gegrillt werde (das ist gar nicht soweit hergeholt. Einen Kumpel hätten sie hier am Sonntag fast zerlegt, wie wir die Engländer) dann fahre ich abends nach Buenos Aires, um da noch ein bisschen auf den Putz zu hauen.
Was ich denn im Moment hier überhaupt so treibe? Ja gut, sagen wir so: Ich lebe! Und ich genieße es! Und es ist geil. Ich stehe morgens auf um Fußball zu schauen. Wenn kein Fußball kommt oder sich Fußballgötter wie Slowakei (obwohl, die haben Italien rausgehauen hihi) und Neuseeland die Ehre geben, stehe ich auch nicht auf. So einfach ist das. Ansonsten wird ordentlich gespeist (habe nach der Reis-Folter ja einiges nachzuholen), ordentlich gefeiert und am Wochenende viel zu wenig geschlafen. Und bei Gelegenheit den Argentiniern noch ein paar deutsche Sprüche beibringen, ist auch immer drin. Ein Spaß, sag ich euch. Die sind nämlich gar nicht mal unbegabt. Nur zu toppen von einem Brasilianer, den wir hier kennengelernt haben und der mit perfekt bayrischem Akzent „Himmelarschkruzifixsackzementnochamoal“ fluchen kann. Zum Kaputtlachen.
Ja ja, so sieht’s aus. Alles wunderbar, meine Laune ist kaum zu steigern. Und so gut es mir hier auch gefällt und so lange ich auch gerne noch hier bleiben würde, so freue ich mich doch langsam wieder auf Deutschland. Unglaublich, aber wahr. Also ich vor gut drei Monaten meine sieben Sachen gepackt habe, um den Spießern und Kartoffeln den Rücken zu kehren, hinaus in die freie Welt, konnte ich mir nicht vorstellen, dass ich das alles mal vermissen könnte. Ok, die Spießer vermisse ich auch nicht, aber wenn man mal eine Weile hier wohnt, wo nur mit viel Glück Wasser aus der Dusche kommt, Telefone grundsätzlich nicht so oft funktionieren und wo man denkt isolierte Fenster oder Wände seien völlig überschätzt, dann freut man sich doch irgendwie wieder auf die Heimat, wo man telefonieren kann wann man will. Und duschen. Und vor allem im Warmen schlafen. Das hat aber nichts mit spießig zu tun, sondern wahrscheinlich einfach nur mit Gewohnheit. Vielmehr als diese Kleinigkeiten, sind es aber eigentlich ganz andere Dinge, die einem, in diesem Fall mir, das schöne Gefühl geben, dass man sich auf zuhause freuen kann. Die Familie, die Freunde, Maultaschen und Kartoffelsalat, Stuttgarter Hofbräu und natürlich mein geliebtes Stuttgart. Stuggi City, 0711-Town, der Kessel. Wie auch immer, ich freu mich drauf.
Bevor ich mich jetzt in Erinnerungen verliere, erstmal eins nach dem anderen. Am Samstag wird vermutlich erstmal Diego nach Hause geschickt, so leid es mir für ihn tut. Dann werde ich mich so unauffällig wie möglich zum Busterminal schleichen und den Trip nach Buenos Aires antreten.
Was ich in Buenos Aires vorhabe? Lecker essen, ordentlich feiern, was erleben. Leben! Viel Spaß. Danke.

Bei guter Laune darf natürlich eins nicht fehlen, mein ständiger Begleiter hier in Argentinien:

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#13 Weit weg: Gut gelaunt in Uruguay Teil III

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So, heute der dritte und letzte Teil der Story aus Uruguay, dem Land von dem viele Argentinier etwas arrogant sagen, es sei nur ein argentinische Provinz. Montevideo und den Holländer haben wir also zurückgelassen um den Dienstag Nachmittag und den Mittwoch Vormittag in Colonia zu verbringen, im Westen des Landes, von wo aus wir später auch wieder die Heimreise angetreten sind. Wunderschönes kleines Städtchen. Für mich persönlich deutlich sehenswerter als Montevideo. Was wir in Colonia getrieben haben? Ein Asado (eine fette Grill-Session quasi) veranstaltet – oder soll ich sagen zelebriert – , eine unvergessliche Nacht am Strand verbracht und die sehr schöne Altstadt besichtigt. Und wie immer gute Laune gehabt.

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#11 Weit weg: Gut gelaunt in Uruguay Teil I

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Die Zeit rast, es ist unglaublich. Sechs Wochen bin ich bereits hier in Argentinien am Start. Halbzeit. Das Ende schon vor den Tränen gefüllten Augen, muss ich langsam wirklich überlegen, was ich unbedingt noch machen, sehen und erleben will, bevor ich mich wieder in den Flieger Richtung Spießerhausen setze. Seit heute Morgen kann ich einen Punkt auf dieser Liste abhaken. Uruguay. Ein, wenn man denn von den zwei repräsentativen Städten auf den Rest schließen kann, wirklich schönes Land. Meiner Meinung nach zwar nicht so cool wie Argentinien, aber definitiv einen Trip wert. Um den ganzen Spaß hier zu erzählen, muss ich das wohl auf mindestens zwei Posts aufteilen. Wir waren immerhin sechs Tage unterwegs und übertrieben viel Text ist nicht gut, sagt mein Chef. Hier also der erste Teil: Freitag bis Sonntag - Die Anreise, viel Schlaf und Natur pur.

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#2 Weit weg: Bienvenidos a Argentina

sonnenaufgang


Gute Neuigkeiten, ich habe den Sonnenaufgang nicht verpasst. Besser konnte mein Fotograf ihn leider nicht aufnehmen, da wir auf der falschen Seite des Fliegers saßen und kurz anhalten kam auch nicht in Frage, wir waren eh schon knapp dran mit der Zeit. War trotzdem schön anzusehen. Noch gigantischer war allerdings der Sternenhimmel in der Nacht. Viel zu schön, um ihn zu fotografieren und erst recht ihn zu beschreiben, wirklich atemberubend.
Nicht so schön war der Flug an sich. Ich habe keine Sekunde geschlafen und der erste Argentinier den ich kennen lernen durfte (der Hombre saß neben mir) war die Arroganz in Person und hat in 10,5 Stunden kein einziges Wort verloren. Schade.
Endlich in Buenos Aires angekommen, hat mich ein netter Herr direkt ans Hostel gefahren, eine kleine, aber feine Absteige im schönen Viertel San Telmo. Ziemlich fertig von den Strapazen des Fluges (arroganter Argentinier, erneut miserables Essen und eine Gruppe englischer Ausstauschschüler, die den ganzen Flug über nichts besseres zu tun hatten als Englisch zu reden. British English, please - Hilfe!) habe ich mich dann auf mein Bett geschwungen. Es hat mich ausgehalten und so konnte ich nach fast 40 Stunden endlich wieder schlafen.

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Heute Morgen mache ich mich nun auf nach Córdoba. Ein Hugo Chavez-Double fährt mich zum Busbahnhof. Laut Reisebüro und Reiseführern gibt es an argentinischen Reisebussen nichts auszusetzen. Meine Befürchtung, dass es sich dabei um eine krasse Lüge handelt bestätigt sich zum Glück nicht. United Airlines könnten sich mal ein Beispiel nehmen, was Bequemlichkeit der Sitze und Beinfreiheit angeht. So überstehe ich die elf Stunden fahrt nahezu problemlos.

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Auch Dank der Tageszeitung „Clarin”, die am heutigen Samstag so dick wie ein ganzes Buch ist. Hab einige interessante Artikel gefunden. Frankfurt, zum Beispiel, hat es sogar auf die Titelseite geschafft, mit seinem „schlafenden Flughafen”. Nur mal nebenbei, ich hatte eigentlich sehr viel Glück. Nicht mal zwölf Stunden nach meinem Abflug vom Frankfurter Flughafen wird dieser komplett geschlossen, hihi. Dazu gibt es im Innenteil ganze vier Seiten zu: Thema Vulkanausbruch. Und wenn man der Grafik dort glauben schenken darf, dann hat sich diese für Flugzeuge so gefährliche, aber unsichtbare Gaswolke bereits über ganz Europa ausgebreitet. Untergangsstimmung, quasi. Da hatte ich gar nicht so unrecht mit meiner Roland Emmerich-Anspielung in meinem ersten Post.

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Mein Favorit war dann aber doch ein Artikel über eine Diskussion, die derzeit in den Schulen Buenos Aires’ und dem Rest des Landes die Runde macht. Die WM. Hat nichts mit Schule zu tun, sagen viele. Einige Schuldirektoren sehen das anders. „Vom Unterricht fernbleiben ist während eines Spieles der Gauchos gestattet.” Die Weltmeisterschaft sei nicht nur ein sportliches, sondern auch ein gesellschaftliches, kulturelles und nun eben seit neuestem auch pädagogisches Event. Daher werden zum Turnierstart auch in vielen Schulen im Lande Fernsehgeräte in den Klaasenzimmer und Aulen aufgestellt. Ich find das eine super Sache.

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Und da Fußball und die Weltmeisterschaft schon so ein großes Thema sind hier, bin ich dabei mich ein bisschen umzuhören, was die Gauchos ihrer Selección so zutrauen. Kandidat Nummer Eins, Taxifahrer meint: „Jeder Einzelne könnte locker Weltmeister werden, aber zusammen wird das nichts” Na, na, was ist denn das für eine Einstellung (Oder Edip?), ich bleib auf jeden Fall dran.

Hier ein kleiner “Clarin” Live-Ticker: +++ Homosexuelle Ehen werden derzeit in Argentinien gerne mal gestattet, um sie dann kurz darauf wieder zu verbieten und aufzulösen. +++ Ein paar Straßen neben meinem Hostel wurde letzte Nacht ein Mann ausgeraubt und dann ermordet. Wohl doch nicht alles in Ordnung hier. +++ Das Wetter ist grandios, morgen bis 29 Grad (Wie sieht es in Deutschland aus?)

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PS: Buenos Aires hat mir sehr gut gefallen, gäbe schon einiges zu berichten. Verschiebe das aber auf Juli, wenn ich noch mal für eine Woche dort bin. Jetzt bin ich jedenfalls in Córdoba und bisher gefällt es mir sehr gut. Auf den letzten Kilometern hierher konnte mein Kollege mit der Kamera sogar noch einen schönen Sonnenuntergang festhalten.



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