
Gute Neuigkeiten, ich habe den Sonnenaufgang nicht verpasst. Besser konnte mein Fotograf ihn leider nicht aufnehmen, da wir auf der falschen Seite des Fliegers saßen und kurz anhalten kam auch nicht in Frage, wir waren eh schon knapp dran mit der Zeit. War trotzdem schön anzusehen. Noch gigantischer war allerdings der Sternenhimmel in der Nacht. Viel zu schön, um ihn zu fotografieren und erst recht ihn zu beschreiben, wirklich atemberubend.
Nicht so schön war der Flug an sich. Ich habe keine Sekunde geschlafen und der erste Argentinier den ich kennen lernen durfte (der Hombre saß neben mir) war die Arroganz in Person und hat in 10,5 Stunden kein einziges Wort verloren. Schade.
Endlich in Buenos Aires angekommen, hat mich ein netter Herr direkt ans Hostel gefahren, eine kleine, aber feine Absteige im schönen Viertel San Telmo. Ziemlich fertig von den Strapazen des Fluges (arroganter Argentinier, erneut miserables Essen und eine Gruppe englischer Ausstauschschüler, die den ganzen Flug über nichts besseres zu tun hatten als Englisch zu reden. British English, please - Hilfe!) habe ich mich dann auf mein Bett geschwungen. Es hat mich ausgehalten und so konnte ich nach fast 40 Stunden endlich wieder schlafen.

Heute Morgen mache ich mich nun auf nach Córdoba. Ein Hugo Chavez-Double fährt mich zum Busbahnhof. Laut Reisebüro und Reiseführern gibt es an argentinischen Reisebussen nichts auszusetzen. Meine Befürchtung, dass es sich dabei um eine krasse Lüge handelt bestätigt sich zum Glück nicht. United Airlines könnten sich mal ein Beispiel nehmen, was Bequemlichkeit der Sitze und Beinfreiheit angeht. So überstehe ich die elf Stunden fahrt nahezu problemlos.

Auch Dank der Tageszeitung „Clarin”, die am heutigen Samstag so dick wie ein ganzes Buch ist. Hab einige interessante Artikel gefunden. Frankfurt, zum Beispiel, hat es sogar auf die Titelseite geschafft, mit seinem „schlafenden Flughafen”. Nur mal nebenbei, ich hatte eigentlich sehr viel Glück. Nicht mal zwölf Stunden nach meinem Abflug vom Frankfurter Flughafen wird dieser komplett geschlossen, hihi. Dazu gibt es im Innenteil ganze vier Seiten zu: Thema Vulkanausbruch. Und wenn man der Grafik dort glauben schenken darf, dann hat sich diese für Flugzeuge so gefährliche, aber unsichtbare Gaswolke bereits über ganz Europa ausgebreitet. Untergangsstimmung, quasi. Da hatte ich gar nicht so unrecht mit meiner Roland Emmerich-Anspielung in meinem ersten Post.

Mein Favorit war dann aber doch ein Artikel über eine Diskussion, die derzeit in den Schulen Buenos Aires’ und dem Rest des Landes die Runde macht. Die WM. Hat nichts mit Schule zu tun, sagen viele. Einige Schuldirektoren sehen das anders. „Vom Unterricht fernbleiben ist während eines Spieles der Gauchos gestattet.” Die Weltmeisterschaft sei nicht nur ein sportliches, sondern auch ein gesellschaftliches, kulturelles und nun eben seit neuestem auch pädagogisches Event. Daher werden zum Turnierstart auch in vielen Schulen im Lande Fernsehgeräte in den Klaasenzimmer und Aulen aufgestellt. Ich find das eine super Sache.

Und da Fußball und die Weltmeisterschaft schon so ein großes Thema sind hier, bin ich dabei mich ein bisschen umzuhören, was die Gauchos ihrer Selección so zutrauen. Kandidat Nummer Eins, Taxifahrer meint: „Jeder Einzelne könnte locker Weltmeister werden, aber zusammen wird das nichts” Na, na, was ist denn das für eine Einstellung (Oder Edip?), ich bleib auf jeden Fall dran.
Hier ein kleiner “Clarin” Live-Ticker: +++ Homosexuelle Ehen werden derzeit in Argentinien gerne mal gestattet, um sie dann kurz darauf wieder zu verbieten und aufzulösen. +++ Ein paar Straßen neben meinem Hostel wurde letzte Nacht ein Mann ausgeraubt und dann ermordet. Wohl doch nicht alles in Ordnung hier. +++ Das Wetter ist grandios, morgen bis 29 Grad (Wie sieht es in Deutschland aus?)

PS: Buenos Aires hat mir sehr gut gefallen, gäbe schon einiges zu berichten. Verschiebe das aber auf Juli, wenn ich noch mal für eine Woche dort bin. Jetzt bin ich jedenfalls in Córdoba und bisher gefällt es mir sehr gut. Auf den letzten Kilometern hierher konnte mein Kollege mit der Kamera sogar noch einen schönen Sonnenuntergang festhalten.