Tag: Festival

Gebt uns ruhig die Schuld!

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Am Samstag war also das Heimspiel der Fantastischen Vier in Stuttgart, präsentiert von der Gastronie Grandl GmbH. Gut war’s, habe ich aus sicheren Quelle gehört, denn ich selber war nicht dort. Warum nicht? Weil mir sechzig Euro für ein unbestreitbar auf kommerziellen Schienen fahrendes Möchte-gern-Hip Hop-Festival ein bisschen zu viel sind. Offenbar nicht nur mir, denn wie heute in den Stuttgarter Nachrichten nachzulesen ist, waren gerade einmal 15 000 Besucher am Start. Letztes Jahr waren es 60 000. Schwach, könnte man jetzt sagen, aber was diesen 15 000 geboten wurde, war auch nicht stärker. Natürlich sind Ich+Ich nicht übel und Milow sogar von internationalem Format, aber doch irgendwie nicht das, was man erwartet, wenn die legendären Fantas zu einem (so hieß es doch offiziell, oder?) Hip Hop Festival einladen. Da stimmt doch etwas nicht und um so trauriger, oder sagen wir enttäuschender finde ich es, wenn ich nun heute lesen muss, wie die Zeitung Michi Beck zitiert: „Nächstes Jahr sind wir unter Garantie nicht dabei.“ Schade, denke ich im ersten Moment. Eine Sauerei, im zweiten. Denn irgendwie scheint nun doch diese Theorie bestätigt zu sein, die vor dem Konzert der ein oder andere Hip Hop-Head im Kopf hatte, keiner aber so richtig wahr haben wollte. Es ging eben doch nur um die Kohle.

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Doppelt soviel „Besucher wären nötig gewesen, um schwarze zahlen zu schreiben“. Und jetzt? Wollt ihr uns die Schuld geben? Dass wir für sechzig Euro lieber auf die Hip Hop Open gehen, selbst wenn sie nicht stattfinden, oder wir uns lieber vier mal euer Album kaufen? Das ist nämlich richtig gut, da wird das geboten, für was ihr steht. Geilen, poppig-rockigen Hip Hop mit genialen Texten und viel Fantasie.
Wollt ihr dem Wetter die Schuld geben? Ja gut, die vier, fünf Tropfen haben vielleicht vier oder fünf Fans davon abgehalten diesen Tag mit euch zu feiern. Mehr aber auch nicht. Denn ein geiles Hip Hop-Konzert lässt sich keiner aus dieser Subkultur (wie sie in den Stuttgarter Nachrichten betitelt wird) entgehen. Wenn denn auch was geboten ist. Und Milow zählt in diesem Fall nicht.
Also machen wir es wie in eurem Song. Wir geben euch die Schuld. Wer 2009 zum zwanzigjährigen Geburtstag so ein geiles Konzert gibt, dann den Fans die Hoffnung macht, so etwas zu wiederholen, die “Szene” in Stuggi wieder aufleben zu lassen, Back to the Roots - was auch immer - und ein echtes Hip Hop-Fest auf die Beine zu stellen, den Fans dann aber ein zusammengeschustertes “Chartstürmer-Nicht-Hip Hop-Line Up” vor die Nase setzt, sollte sich nicht wundern, wenn die echten Fans zu Hause bleiben. „Gebt uns ruhig die Schuld, den Rest könnt ihr behalten.“ Was wir behalten? Ein bisschen Enttäuschung, ein geiles neues Album (vier mal in unserem Schrank), die Erinnerung an ein geiles Heimspiel 2009 und an einundzwanzig Jahre geile Musik. Naja, so sind die Zeiten im Business. Da muss man nehmen, was man bekommt, also, was woll’n wir noch mehr.

Schmutzige Geschichten vom Southside

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So, da bin ich wieder. Zurück vom Southside Festival 2010, hundemüde, körperlich etwas zersetzt, aber immerhin wieder sauber. Ich fang mit der Sauerei am besten mal von Vorne an.

Donnerstag Abend also losgefahren Richtung Neuhausen ob Eck. Stimmung super, Bier kalt und Autobahn leer, was will man also mehr? Es läuft dann auch immerhin bis zur Autobahnausfahrt Tuttlingen, bis wir dann für knappe drei Stunden im Stau stehen und die Gelegenheit bekommen, dem Regen zuzuschauen wie er immer stärker wird. Um halb 12 dann endlich am Ziel, der Pressecampingplatz! Nun beginnt der eigentliche Spass: Zelt aufbauen. Und das bei strömendem Regen und Boden, der sich immer mehr in seine Bestandteile auflöst. Zelt steht trotzdem und dazu noch relativ trocken und bewohnbar. Der nächste Morgen: die Sache sieht nicht wirklich besser aus. Es hat die ganze Nacht in Strömen durchgeregnet. Zu unserem Erstaunen ist unsere Behausung aber weitgehend trocken geblieben. Wir machen uns auf zum Festivalgelände. Offizieller Einlass ist ab 15 Uhr, wir haben es kurz nach elf und das Gelände wirkt extrem Ruhig und überschaubar ohne Besucher. Der Regenschaden hält sich in Grenzen. Noch! Man kann sogar noch Straße von Wiese unterscheiden und selbst der notdürftige Versuch des Veranstalters, den Schlamm mit Stroh in den Griff zu bekommen, ist noch zu sehen. Noch!

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Um 13.30 Uhr sitzen wir in der Presse-Lounge und schauen uns zur Einstimmung auf das Festival das Deutschland-Spiel gegen die Serben an. Mit Dreck an den Schuhen begeben wir uns über einen roten Flanellteppich in Richtung Lounge. Bei Becks für umme und in schwarzen Ledersesseln, sehen wir einen unverdienten Serben-Sieg. 16 Uhr, eine Stunde nach Einlass, und wieder in der Realität angekommen. Der Boden draußen ist inzwischen nicht mehr vorhanden, alles besteht aus einer einzigen Matschmasse. Das komplette Gelände schwimmt im Matsch.

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90 Prozent der Leute sieht man mit Gummistiefeln durch die Gegend waten. Nicht so die Jungs vom PIG. Wir stehen mit unseren Nike-Sneakern knöcheltief in der braunen Sauce. Egal, wir haben die Genugtuung, dass wir ein trockenes Zelt und einen relativ begehbaren Campingplatz haben. Nach ein paar genialen Konzerten - Donots, Zebrahead & Dropkick Murphys - ettlichen Schlammschlachten und viel Gefluche (Ich hab wohl noch nie so viele Leute fluchen und Mädchen weinen sehen: “Schatz, ich will jetzt endlich heim.”) ist der Freitag dann auch schon rum. Samstag Morgen, wir stehen auf in der Hoffung, dass das Wetter besser geworden ist. Doch schon beim Zeltaufmachen wird man eines besseren belehrt: Regen!

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Inzwischen sieht auch der Pressecampingplatz aus wie die Ufer des Amazonas. Matsch wo hin man schaut. Wir laufen vor zum Gelände und hier erwartet uns dann ein unbeschreibliches Bild. Alles, wirklich alles ist braun! Unsere Sneaker sind inzwischen überzogen mit einer etwa fünf Zentimeter Matsch-Schicht. Aber Bilder sagen wohl mehr als Worte.

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Irgendwie habe ich, glaube ich, ‘ne Pechsträhne was so Event-Zelt-Trips angeht. Aber alles in allem war es doch ein nettes Festival. Klar, man hätte von Seitens des Veranstalters wohl etwas mehr Maßnahmen gegen das Wetter erwarten können, denn bis auf die gescheiterten Versuche mit etwas Stroh Abhilfe zu schaffen wurde nichts weiter unternommen, dennoch, Konzerte waren einige richtig super (Beatsteaks, die kranken Bloody Beetroots oder Paramore). Ein paar andere so naja (Jack Johnson war ganz schwach, sogar langweilig, aber O.K. vielleicht nicht sein Wetter und Revolverheld wollten zwar irgendwie, aber es waren halt nicht so viele Leute da - siehe Bild ganz oben). Abschließend vielleicht noch kurz ein Zitat des Beatsteaks-Frontmans Armin, das wie ich finde die Sache doch recht gut zusammenfasst: “APOKALYPSE”!


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