Tag: Johannes Soehner

OB-Wahlkampf: Der Countdown läuft

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Es ist gerade wirklich kalt in Böblingen, so auch gestern, als die Kongresshalle, wie sonst eher nicht so oft im Jahr, Schauplatz Nr. 1 war. Die Böblinger Kreiszeitung (KRZ) lud gestern Abend ein. In der Kongresshalle wollte den OB-Kandidaten nochmals richtig auf den Zahn gefühlt werden. Dort also, wo sie vor einer Woche schon einmal saßen, 20 Minuten reden durften und danach Zuschauerfragen beantworten durften. Nun, eigentlich hatte ich einen Block mitgenommen, um mir Notizen zu machen und die News dann hier zu posten. Doch leider gab es keine so richtigen News, denn inhaltlich unterscheiden sich die Favoriten Paust und Lützner zwar im Detail, aber bei den größeren Fragen nicht im Wesentlichen. Johannes Söhner schlägt sich als unerwarteter Lokalmatador wirklich ordentlich und Schlather betont immer seinen guten Willen. That’s it!

Im Endeffekt hat man allen Kandidaten angemerkt, dass sie etwas müde wirkten und es fast schon leid sind, immer wieder die Zuschauer und die Interessensgruppen mit zufrieden stellenden Antworten zu befriedigen. Dürfen sie ja aber leider nicht so richtig zugeben, gehört eben dazu, Männer. Ja, scheint richtig anstrenegend so ‘n Wahlkampf. Wolfgang Lützner meinte anschließend, dass er am Samstag Abend mit seiner Partnerin einfach tanzen gehen will (wenn ich’s richtig verstanden habe). Schön, tanzen soll glücklich machen, habe ich gehört. Und auch Paust, mit dem ich kurz sprach, bestätigte, dass es manchmal schon zäh sei, den Leierkasten auszupacken. Aber es springt ja auch der OB-Sessel als Belohnung raus. Übrigens es gab ein Zitat (des Abends) von einem Herrn, der auch Fragen stellen durfte. Ich habe leider seinen Namen vergessen: “Derjenige, der den OB-Sessel gewinnt, ….” Wusste ich bisher nicht, dass man den OB-Sessel gewinnen kann, aber man lernt nie aus. Am Sonntag wird auf jeden Fall so richtig gewählt und es würde mich wundern, wenn es im ersten Wahlgang entschieden wird.

Zur Atmosphäre: Es war etwas weniger los als vor einer Woche, vielleicht knapp 1000 Leute, und nach etwa eineinhalb Stunden leerte sich der Saal bis zur Hälfte. Schuld war, denke ich, folgendes: es war einfach langatmig, nicht knackig und interessant genug. Obwohl Moderator und KRZ-Chefredakteur Otto Kühnle eigentlich einen guten Entertainer-Part abgab. Zwischendurch wurde dann zur Aufheiterung sogar so etwas wie Bilderraten oder Dalli-Klick in BB gespielt. War ganz O.K. und Söhner klar im Vorteil. Ansonsten hat sich halt der Saal geleert. Und alle waren, glaube ich, froh als es vorbei war und die musikalischen Kandidaten dann spontan aufgefordert wurden, doch kurz zu jammen. Aber trotz dem relativ unspektakulären Kandidaten-Check habe ich einiges gelernt, am Rande des gestrigen Promo-Abend der KRZ:

  • die meisten jungen Menschen interessiert so eine Veranstaltung einen Scheiß. Die recherchieren im Netz, schauen Bilder, posten selbst und kommentieren Blogs.
  • drei der vier OB-Kandidaten können tatsächlich ein Instrument spielen. Die Aftershow-Band gestern Abend also: Lützner (Drums), Paust (Gitarre), Söhner (Trompete). Nur Schlather glänzte mit Zurückhaltung, obwohl ich mir ein paar Freestyle-Raps hätte gut vorstellen können - gerne auch auf arabisch. Ich bin mir sicher, wenn er die Wahl gewinnt, rappt er acapella ein ganzes Wochenende solo am Böblinger Marktplatz.
  • selbst ein lokaler OB-Wahlkampf ist kein Ponyhof, sondern ein Gedulds- und manchmal auch Mi(e)nenspiel. Jaaaa, das kleine Wortspiel hier ist mir gerade in letzter Sekunde eingefallen und trotzdem irgendwie fett.
  • es ist als Journalist grundsätzlich schlecht, wenn du ein Bild machen willst und dein Akku ist leer (Und ich hab’ mich einfach nicht getraut einen Zeitungsfotografen zu fragen, ob er mir einen seiner Knipser - natürlich undercover - für 2000 Euro verkauft).
  • Doch mach das Beste draus. Wenn du also ein Bild für deinen Blog-Post oder sowas ähnliches brauchst, dann check dein Archiv und stelle eine Pseudobezug her. Oder du malst dir eins - ist noch besser.
  • die KRZ soll die “beliebteste Zeitung im Kreis” sein. So stand’s zumindest an den Rednerpulten. Glauben wir’s mal.
  • der Verleger der KRZ darf sich erlauben, über den Gemeinderat und die umgebaute Brumme-Allee zu lästern. Also brauchen wir uns hier keine Sorgen machen, jemanden auf die Füße zu treten.

OB-Wahlkampf: Es wird unruhig und eng

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Da saßen sie also gestern Abend, die vier OB-Kandidaten für Böblingen. Die große Vorstellungs- und Fragerunde stand auf dem Programm und etwa 1200 Leute waren gekommen, um den Worten ihres potenziellen OBs zu lauschen. Herr Vogelgsang spielte den Moderator und kam an diesem Abend total entspannt und witzig rüber. Kein Scherz. Wahrscheinlich hatte er diese Ruhe, die man nun einmal hat, wenn man die “jungen Hüpfer” neben sich sitzen hat, die alle auf seinen Sessel wollen und wenn man weiß, dass alles was im Wahlkampf oft rosa gemalt wird, in der Praxis eine ganz andere Farbe hat.

Doch kommen wir zum Thema. 20 Minuten Redezeit gab es für alle Kandidaten, während dieser mussten die anderen Kandidaten den Saal verlassen. Ich könnte jetzt anfangen von jedem der Kandidaten die einzelnen Programmpunkte  runterzuleiern, aber alle Kandidaten haben sehr viele ähnliche Punkte

  • die Wirtschaft, die Unternehmen und somit die Arbeitsplatzsituiation stärken
  • die Kinder und Jugendlichen fördern, darin natürlich enthalten Kita-, Kiga- und Schulkonzepte
  • die Einkaufssituation verbessern
  • die Verkehrssituation, Parkplätze und Radwege verbessern
  • Kultur fördern

Deshalb will ich meinen Eindruck von gestern Abend und ein paar Besonderheiten rausstellen.

Wolfgang Lützner durfte beginnen. Nachdem er den Status Quo Böblingens ziemlich umschmeichelte, erläuterte er den Zuhörern souverän und abgeklärt seine Vision “Böblingen 2018″. Bei der einen oder anderen Bemerkung kam zwar Gelächter auf (” es gibt attraktive Geschäfte in der Innenstadt”), aber Lützner betonte, dass man eben eine Vision haben muss, sonst wird es schwierig. “Die Leute sollen 2018 sagen: Der Lützner hat Böblingen vorangebracht.” Im Detail und in Abgrenzung zu den anderen Kandidaten möchte er eine “technikfreundliche Stadt” schaffen, die Schüler somit an die Wirtschaft heranführen und außerdem bei den Kleinkindern schon mit einer Sprachförderung ansetzen. Seine Mitarbeiter will er leistungsbezogen beurteilen und beurteilen lassen und somit die Motivation steigern. Dafür gibt es bereits entwickelte Softwareinstrumente, die er in Süßen bereits “erfolgreich” verwendet. Zudem möchte er 2011 ein zentrales Beschwerdemanagement einrichten. In Sachen Kultur erwähnte er, dass er eine überregional groß beachtete Kunstausstellung nach Böblingen holen wolle. Die Kontakte und Wege dafür seien schon vorbereitet. 2018 soll Böblingen dann “eine Stadt zum Wohlfühlen sein”. In Süßen hat‘s bereits geklappt, verwies Lützner immer wieder auf seine Arbeit am Hohenstaufen.

Dr. Andreas Paust bgann mit den Schlagwörtern “Glücklich in Böblingen”. Er erzählte, dass er toll aufgenommen wurde und er und seine Frau hier glücklich seien. Auch Dr. Paust lobte den Status Quo Böblingens, aber er bezog Böblingens Ausgangsposition explizit auf den Vergleich mit vielen anderen vergleichbaren Städten in Deutschland, aber auch im Vergleich zu Sindelfingen. Herr Dr. Paust hat die Vision von einer Bürgerstadt, in der die Bürger extrem einbezogen werden in wichtige Entscheidungen. Lützner betonte hierbei, dass das für ihn selbstverständlich sei und er dies nicht zu einem gesonderten Wahlkampfthema mache. Da müsste man dann als Bürger doch die Details kennen. Aber hierfür reicht der plakative Wahlkampf und auch solch eine Veranstaltung wie gestern Abend nicht aus.
Die Kultur sei hier bunt und vielfältig, lobte Paust Böblingen. Das kann man nun so oder so sehen, aus dem Publikum erntete er auf jeden Fall Applaus. Zum äußeren Erscheinungsbild Böblingens äußerte sich Paust erstaunlich ehrlich und nannte es enttäuschend. “Und bisher habe ich auch noch niemanden getroffen, der das verneint.” Kritisch äußerte er sich auch zum Zustand am “toten” Marktplatz. Wenn ich es richtig gesehen habe, rang diese Aussage Herrn Vogelgsang ein müdes Lächeln ab. “Der Marktplatz muss dringend belebt werden” sagte Paust und er lasse sich hier auch keine Denkverbote erteilen, obwohl schon andere daran gescheitert sind. Insgesamt erschien mir der Auftritt auch sehr souverän.

Mahmoud Schlather, der 44-jährige in Ägypten geborene Wirt vom Böblinger Wirtshaus Wasen war definitiv der Farbtupfer in der Runde. Wie in seinem Wahlprogramm beantwortete der Underdog in diesem Wahlkampf auch gestern Abend die Fragen kurz und bündig, manchmal nicht ganz zum Thema und ohne Details, aber immer mit Herz und südländischem Temperament. Für eine reele Chance wird es wohl nicht reichen, aber man hatte das Gefühl, er hat nichts zu verlieren - im Gegensatz zu Lützner und Paust - und dementsprechend ging er sehr locker an die Sache ran. Inhaltlich und auch sprachlich sicher nicht zu vergleichen mit den anderen Kandidaten, hatte Schlather einige Male aber die Lacher auf seiner Seite und erntete auch Applaus. Er betonte, den Menschen und dem Standort dienen zu wollen und dass er einer von ihnen sei. Am Ende verneigte und bedankte sich höflichst.

Johannes Söhner begann so: “Viele von euch werden sich die Frage gestellt haben, warum ich in Böblingen als OB kandidiere.” Seine Antwort: es gebe zwei Johannes Söhner. Einerseits den Diakon, den seit vielen Jahren sozial engagierten Jugendarbeiter und Koordinator, andererseits den Unternehmer Söhner, der das wirtschaftliches Handeln und die wirtschaftlichen Gesetze versteht und dessen Reisebetrieb letztes Jahr einen Umsatz von über zwei Millionen Euro gemacht hat. Diese beiden Komponenten würden den Bewerber Johannes Söhner für den Posten des OB in Böblingen ausmachen. Söhner betonte, dass die Mittel knapp sein werden, aber er es schaffen will diese optimal einzusetzen. Das habe er schon immer so machen müssen. Söhner stellte außerdem fest, dass Förderungen durch EU-Gelder viel zu wenig in Betracht gezogen würden. Zum Thema Innenstadt will er eine multifunktionale Markthalle positionieren und eventuell aus sanierten Gebäuden errichten. Allgemein soll die Innenstadt stark belebt werden und Events gefördert werden, da mehr Veranstaltungen auch mehr Einnahmen und mehr Flair für Böblingen. “Die Innenstadt muss attraktiv sein um dort zu verweilen.” In Sachen Jugendkultur sei viel kaputt gemacht worden in der Vergangenheit und es fehle eine Basis für die Entwicklung einer Musikszene. Weitere alternative Ideen, wie Söhner meinte, könnten in möglichen Projekten wie Car-Sharing oder Leihfahrrädern münden. Beim Thema Verkehr habe es zwar in der Vergangenheit viele Gutachten gegeben, aber keine große Umsetzung. Insgesamt bewege sich Böblingen weit unter seinen Möglichkeiten. Der Lokalmatador Johannes Söhner wirkte ebenfalls ziemlich souverän und machte eine überraschend gute Figur.

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OB-Kandidat Nr.3: Johannes Söhner

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Das ist Johannes Söhner, Kandidat Nr. 3 für den Posten des OB in Böblingen. Sicherlich das Gesicht oder der Name, der den meisten Menschen hier in der Stadt, zumindest bis vor dem OB-Wahlkampf, durch seine Tätigkeiten am meisten bekannt ist. Paust und Lützner kommen von außerhalb und von dem vierten Kandidaten, Mahmoud Schlather, weiß man nur dass er der Wirt des Wirtshaus Wasens ist. Da wir selbst noch nicht mit Johannes Söhner gesprochen haben, will ich hier seinen Promotext veröffentlichen und auf seine Internetseite www.johannes-soehner.de verweisen. Witzig, dass er sich gleich mal die Domain www.ob-boeblingen.de hat sichern und diese auf seine Internetseite verlinkt hat.

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