
Fast jeder hat wohl so eine Art “to-do list of life”, so auch ich. Und auf meiner stand irgendwo: “24-Stunden-Rennen am Nürburgring besuchen”. So banal das klingt, ein Autorennen zu besuchen, so schwer war es, es bis jetzt umzusetzen. Aber dieses Jahr war es endlich soweit, vier Tage in die Eifel (wenn dann richtig, dachten wir uns) und das Rennen der Rennen live anschauen. Ich freute mich. Aber von vorne.
Dienstag, 17 Uhr. Feierabend. Mein Kollege und ich bei der Planung für den Roadtrip in die Eifel. Erstmal einkaufen. Bissle was zu essen (natürlich in Dosen), Snacks, zwei Kästen Bier, Wasser und was man sonst noch so für vier Tage Camping braucht. Danach noch schnell unsere sieben Sachen gepackt und das Auto fertig beladen. Der Abend wurde dann noch gemütlich mit ‘nem Bierchen beendet und die Vorfreude stieg. Um Punkt 4.30 Uhr schreit mich dann mein Wecker aus dem Bett. Schnell was gefrühstückt und los geht’s! Ab auf die Autobahn und noch etwas verpennt fahren wir der Sonne entgegen. Auf dem Navi lesen wir 350 Kilometer Rest und freuen uns auf vier geniale Tage.Doch dann kam alles etwas anders.
Nach knapp vier Stunden Autofahrt verlassen wir die Autobahn an der Autobahnausfahrt “Nürburgring” und wir sitzen im Auto wie Kinder vor dem ersten Schultag. Das Wetter inzwischen leicht verschlechtert, aber O.K. Da erscheint sie dann auch, wie aus dem Nichts und völlig unerwartet fahren wir an der Rennstrecke vorbei als wäre es eine kleine Nebenstraße, die in den Wald führt. Wir folgen der Strecke und begeben uns auf die Suche nach unserem Campingplatz. Nachdem wir einen geeigneten Platz gefunden haben und einen nicht verschuldeten Verkehrsunfall mit gebrochner Stoßstange später sind wir dann schon wieder auf der Suche. Diesmal nach einem geeigneten Platz für unser Zelt. Das Wetter ist nicht unbedingt besser geworden, aber O.K.

Auf dem Zeltplatz sieht es aus wie in einem Lager für Flüchtlinge oder Katastrophenopfer. Wo man hinschaut Zelte. Und bei der Wahl des Platzes herrscht die pure Anarchie. Erlaubt ist, wo Platz ist! Außerdem reisen viele wohl mit Handwerkertruppe an und bauen sich erstmal das zweite Eigenheim auf.

Viele der Konstruktionen sehen aus als würden sie beim nächsten Windstoß zusammenbrechen. An jeder Ecke rattert ein Dieselgenerator und Musik scheppert aus den meist recht schäbigen Boxen, die sich die Camper mitgebracht haben. Nach weiteren 20 Minuten bleibt uns nach erfolgloser Suche nur noch ein kleiner Platz am Hang übrig. Ich stelle das Auto bei ca. 30 Grad Schräglage ab und wir bauen das Zelt auf. “Geht doch, hätte schlimmer sein können!” Das Zelt steht.

Es hat inzwischen “angenehme” fünf Grad und wir beschließen uns die Strecke anzuschauen. Nach ca. zwei Stunden an der Strecke nimmt die Euphorie so langsam ab (die Temperatur übrigens auch) und weicht dem Frust. Wir sitzen bei vier Grad in unseren Stühlen und rauchen mehr oder weniger gemütlich Shisha und frieren im Kollektiv vor uns hin. Inzwischen ist es Abend geworden. Wir haben den Tag damit rumgebracht alle zwei Stunden zum Rewe zu laufen, uns aufzuwärmen, Essen aus Dosen zu machen und Schnaps gegen die Kälte zu trinken. Jetzt sitzen wir mit zwei Hosen, drei Paar Socken zwei T-Shirts, nem Pulli und zwei Jacken auf unseren Stühlen und “genießen” den Abend. Ein weiteres mal schimmert etwas Optimismus durch “Wenigstens regnet es nicht!”.
Die folgenden Tage liefen so ab: Mittwoch bis Samstag: Frieren, Essen, versuchen zu Schlafen und ungewollt Böhse Onkelz hören. Unsere Nachbarn standen politisch doch sehr weit rechts und so kommt es, dass ich heute so gut wie jedes Onkelz-Lied mitgröhlen kann. Außerdem hab ich mir heute gleich noch alle CDs der Atzen gekauft. Die Nachbarn von der anderen Seite waren die “Party-People” vor dem Herrn und es lief 24/7 “DISCOO POGOOO DINGELINGELING….”. Aber allemal besser wie Onkelz-Gegröhle!
Nach gefühlten zehn Minuten Schlaf, bei Minus-Graden und einer Schräglage, die dich alle fünf Minuten zwingt, den Hang hoch zu robben, ist es dann endlich Samstag. Der Tag des Rennens. Nur von unserer Begeisterung ist nicht mehr viel zu spüren. Wir sitzen (mal wieder) da, essen Ravioli und frieren. Alle 20 Minuten kommt von meinem Kumpel der Satz:”Sammal, is scho‘ bissle wärmer geworden oder?” Nein, ist es nicht. Es hat durchgehend vier Grad! Morgens, mittags, abends. Aber das alles ist nun vergessen, es ist 15 Uhr und das Rennen hat begonnen! Die ersten Autos ziehen an uns vorbei. Und in dem Moment weiss ich, für was ich mich die letzten Tage gequält habe! Super Stimmung auch rund um die Strecke. Die Leute toben vor Begeisterung, jubeln den Autos zu und machen trotz Kälte eine wahnsinnige Sause, dass einem selbst recht schnell wieder warm wird.

Die nächsten sechs Stunden verbringen wir an der Strecke. Es wird Nacht, das Highlight des 24-Stunden-Rennen. Die bis dahin etwas abgeflachte Party unserer Mitcamper ist wieder am hochkochen und die Stimmung ist nun kaum mehr zu toppen. Gänsehautfeeling macht sich bemerkbar als man die Rennwagen durch die Nacht schießen hört. Und es ist schon beeindruckend, wenn man die tollkühnen Männer in ihren Kisten nachts mit knapp 200 km/h durch die grüne Hölle breschen sieht.
Ach ja, zum Renngeschehen selbst, Porsche hat knapp fünf Stunden das Feld angeführt, die Audi-Piloten sind relativ früh ausgefallen und am Ende hat BMW dann noch vom Ausfall der gesamten Porsche-Crew profitiert und hat den Gesamtsieg nach Hause gefahren. Dann so gegen 4 Uhr morgens gehen wir ins “Bett” und versuchen noch ein paar Stunden Schlaf mit zu nehmen, es steht ja schließlich die Heimfahrt an.

Am nächsten Morgen stehe ich unter Schock auf, stecke mein Kopf aus dem Zelt und frage mich, was das für eine helle Kugel am Himmel ist, die auch noch warm gibt. Ja, es scheint tatsächlich die Sonne. Nach vier Tagen erreicht das Thermometer erstmals den zweistelligen Bereich. Ich schaue mich voller Freude um und werde durch Leute in T-Shirts in meiner Hoffnung gestärkt, dass es heute ein sonniger Tag wird. Nach ein paar Reststunden in der Sonne, einem Sonnenbrand auf der Nase und mindestens 1000 Menschen, die vom Zeltplatz stürmen später haben wir uns dann auf den Heimweg gemacht. Körperlich fast am Ende fahren wir Richtung Sonne, schauen uns schweigend an und jeder sieht dem anderen die Freude über das Ende der vier Tage an! Mein Fazit: Einmal und nie wieder! Super Rennen, klasse Stimmung, aber das nächste Mal reichen 24 Stunden und anstatt vier Tage.