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Day & Night Festival / Eine andere Sicht der Dinge

Gestern berichteten wir über die katastrophale Berichterstattung der SZ/BZ über das Day & Night Festival am Samstag in Sindelfingen. Der Autor hatte sich mit einer Negativtirade auf die Veranstaltung eingeschossen und eine komplett andere Wahrnehmung und Sicht auf den Event als zum Beispiel Lydia Bentsche von der Kreiszeitung Böblinger Bote. Schon komisch. Dort erschien heute ein Bericht. Etwas spät, aber unvergleichlich besser und objektiver geschrieben als das, was Herr Staber gestern in der SZ/BZ ablieferte.

Zum Vergleich hier der Artikel der KRZ, vielfältig und atmosphärisch geschrieben, keineswegs nur Juhu-Charakter, angebrachte Kritik und die Autorin und der Fotograf (schade, dass wir das Bild der KRZ hier nicht zeigen können, denn es zeigt eine unglaubliche Atmosphäre im Glaspalast) waren anscheinend nicht nur bis um 17 Uhr vor Ort. Respekt Lydia Bentsche.

Kein bisschen Platz für Partymuffel

Beim “Day&Night”-Festival in Sindelfingen machen mehr als 5000 Elektromusik-Fans den Glaspalast zum Tollhaus

Das “Day&Night-Festival” hat am Samstag seinem Namen alle Ehre gemacht. Von 16 Uhr an haben Fans elektronischer Musik unter freiem Himmel getanzt und gefeiert. Bis 6 Uhr morgens dröhnten die Bässe im proppenvollen Sindelfinger Glaspalast - mehr als 5000 Besucher waren am Start.

Von Lydia Bentsche

SINDELFINGEN. Um 17 Uhr ist das “Day&Night-Festival” bereits in vollem Gange. Zum fünften Mal bringen die Veranstalter rund 20 DJs in die Region Stuttgart, zum ersten Mal haben sie den Glaspalast als Veranstaltungsort gewählt. Die Sonne strahlt, DJs jonglieren mit Platten, Festivalgäste tanzen oder suchen sich ein Plätzchen im Schatten, die Verkäufer am Getränkestand haben alle Hände voll zu tun.

Gedränge an der Abendkasse.

Einige Stunden später, es ist Mitternacht: Die rhythmischen Bässe sind im Umkreis des Glaspalasts immer noch zu hören, jedoch etwas leiser und seltener als nachmittags. Vor der Abendkasse drängen sich junge Leute, um eine der Restkarten zu ergattern. Wer am Sicherheitspersonal vorbei das Gelände betritt, wird zunächst von Papierflyern und Zigarettenstummeln begrüßt, die den Boden fast vollständig bedecken.

Luft schnappen.

Silvia, Nicole und Simone sitzen neben Hunderten anderen Gästen im Gras, um durchzuschnaufen. “Wir machen gerade Pause und wollen mal Luft schnappen”, erklärt die 33-jährige Simone aus Weil der Stadt. “Aber nachher gehen wir schon nochmal rein.” Draußen findet es Silvia aber eigentlich besser als drinnen. “Da ist es so stickig”, sagt die 36-Jährige aus Vaihingen/Enz. Sie hat das Festival im Internet entdeckt und ist hier, weil sie die Musik interessiert. Seit 18 Uhr sind die drei Freundinnen in Sindelfingen. Die Stimmung sei “okay”.

Voller Körpereinsatz.

Auf geht’s in den Tanzpalast. Es ist heiß, es ist laut, die Halle bebt und vibriert. Was eine Woche zuvor noch ein Handballfeld für 14 Sportler war, ist jetzt eine rappelvolle Tanzfläche: Tausende bewegen sich zu den eindringlichen Beats von DJ Oliver Koletzki aus Berlin, der auf der Bühne hinter Plattenspielern und Mischpult auflegt. Lichter von der Hallendecke schwenken hin und her, lassen die Köpfe und Oberkörper der Tänzer erkennen. Ob langsam wie in Trance, beinahe nur auf der Stelle die Beine bewegend oder mit vollem Körpereinsatz die Arme nach oben reißend: Die Festivalgäste zeigen, wie man zu Elektromusik tanzen kann. Auch direkt vor den Schalensitzen auf den Zuschauerrängen stehen nur wenige still.

Make peace, not war.

“Es ist hammergeil”, brüllt Markus, um die Musik zu übertönen. Er kommt gerade von der Tanzfläche, sein Gesicht ist verschwitzt. “Hier gibt’s keinen Stress. Wenn Techno läuft, sind alle Leute lieb und geil drauf. Make peace, not war.” Die Anfahrt aus der Nähe von Karlsruhe nimmt der 28-jährige Fan von Elektro-Festivals gerne in Kauf. Markus war bereits bei allen “Day&Night”-Auflagen der vergangenen vier Jahre zu Gast.

Körperkult.

Eine junge Frau läuft tanzend zur Treppe, die nach unten auf die Tanzfläche führt. Sie hat den Begriff des “Kleinen Schwarzen” sehr wörtlich genommen. Ihr eng anliegendes Kleidchen ist so kurz, dass der halbe Po hervorblitzt. Den Herrn mit nacktem, tätowiertem Oberkörper und mit Sonnenbrille auf der Nase interessiert das nicht. Er ist auf der Suche nach der zweiten Tanzfläche, wo DJ Harry Nash auflegt: “Wo ist die? Hier ist nirgends ein Schild, das zeigt, wo ich hingehen muss.”

Getränkemangel.

Der Sindelfinger Tommy findet das Festival super, doch er kritisiert, dass er und viele andere Gäste rund eine Stunde anstehen mussten, um Getränke zu bekommen. Das hätte seiner Meinung nach besser organisiert werden müssen. “Aber insgesamt ist es gut umgesetzt hier”, findet der 28-Jährige. “Ich konnte mir nicht so recht vorstellen, wie das im Glaspalast sein wird, doch es ist total voll hier.” Die ersten Stunden draußen fand er optimal. Doch auch im Inneren kann er nicht anders, als im Takt mitzuwippen.

Nachmittagshitze.

Susanne Battke vom Veranstaltungsteam sieht den Glaspalast als gute Wahl für das Festival. Alle 5000 Vorverkaufskarten seien einen Tag vor der Veranstaltung bereits weg gewesen. Wenige Resttickets durften die Veranstalter ab Mitternacht noch an der Abendkasse verkaufen. Die bekannten DJs wie Paul Kalkbrenner, Antony Rother und Felix Kröcher im Line-up hätten den Kartenverkauf sicherlich angekurbelt, glaubt Battke. “Aber wir dachten, viele Besucher kommen erst ab 20 Uhr”, gibt sie zu. “Dass bereits um 18 Uhr etwa 2000 oder mehr hier waren, lag wohl am guten Wetter.” Für den Stau an der Bar entschuldigt sie sich. Von Seiten der Sicherheitskräfte und Sanitäter sei insgesamt alles in Ordnung gewesen. Allerdings hätten die Sanitäter während der Nachmittagshitze einige Einsätze gehabt.

Paul Kalkbrenner.

Kurz vor 2 Uhr platzt die Tanzfläche aus allen Nähten. Die Menge schreit und pfeift. Alle Blicke sind wie bei einem Konzert nach vorn gerichtet. “Hallo Paul”, wird auf die Leinwand hinter der Bühne projiziert. Paul Kalkbrenner betritt die Bühne. Die Schreie werden lauter. Foto-Handys leuchten. Paul Kalkbrenner live, der einzige Auftritt des Jahres im Großraum Stuttgart. Da drücken viele auf den Auslöser. Für sie ist der Berliner DJ und Musiker, der vor zwei Jahren durch den Film “Berlin Calling” bekannt wurde, das Highlight des Abends. Und das lassen sie ihn spüren. Der glatzköpfige 33-Jährige produziert auf der Bühne elektronische Klänge mit Computer und Mischpult, die Halle vibriert, die Menge tobt. Uz uz uz.

Ausklang.

Doch nicht alle sind verrückt nach Paul Kalkbrenner. Draußen liegen Pärchen eng umschlungen im Gras, Freunde unterhalten sich, lachen und rauchen. Andere machen sich auf den Heimweg und steigen in einen der Shuttlebusse, der sie nach Böblingen bringt. Eine lange Nacht neigt sich dem Ende entgegen.

“Die Feder ist mächtiger als das Schwert”, sagte einst der englische Romanautor Edward George Bulwer-Lytton. Und das gilt im Zeitalter der modernen Informationsgesellschaft mehr denn je.

Schwache Leistung Herr Staber

Heute erschien der “große” Artikel in der SZ/BZ zum Day & Night Festival von Samstag. Er folgt dem ersten sehr negativen “Teaser” (wir berichteten) von gestern. Dazu will ich ein, zwei Dinge bemerken.

Die Kritik von Herrn Staber ist zu einem kleinen Teil berechtigt: zu wenig Getränke, zu langsam zugänglich. Sollte definitiv besser sein. Doch was ist mit der restlichen Berichterstattung? Wo sind die zumindest kleinen Einblicke in die DJ-Auftritte von Extrawelt (Video unten) oder Herrn Kalkbrenner?Wahrscheinlich kann man darüber nichts schreiben, weil man von der Materie keine Ahnung hat. Aber wenn das schon so ist, dann sollte man nicht versuchen dies unter den Tisch zu kehren und den Lesern einen reißerischen Artikel zum Fraß vorzuwerfen. Was ist eigentlich der Auftrag eines “Kulturjournalisten” eines Lokalblatts? Ich weiß es nicht genau, aber zu 95 Prozent das Festival zerfetzen und drei Pseudo-Zeilen als Quasi-Kompensation (”Und musikalisch sind viele Technofans von der Party sehr angetan … Mit Paul Kalkbrenner oder Karotte bietet die Besetzungsliste zahlreiche Highlights”)  ist zu wenig. Das steht fest und kann doch nicht Sinn der Sache sein. Vielleicht sollte man etwas mehr das ganze sehen. Insgesamt eine schwache Leistung Herr Staber, und wenn es nach ihnen geht, mindestens so schwach wie die der Veranstalter.

In diesem Fall waren sie ihrem Auftrag meiner Meinung nicht gewachsen. Aber vielleicht kann man es ja beim nächsten Mal besser machen. Die Veranstalter des Day & Night Festivals haben sich das zumindest vorgenommen.

P.S. Schade finde ich auch, dass die Kreiszeitung (noch) nicht darüber berichtet hat. Warum eigentlich?

Update: Am Mittwoch hat die KRZ nachgelegt.

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Das Day & Night Festival / Eine kleine Rückschau

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Am Samstag war ich dann auch mal in Sindelfingen beim Day & Night Festival am Glaspalast. Allerdings schon um 16/17 Uhr (siehe oben), da war noch Ruhe vor dem Sturm, wenn man das mal so sagen darf. Konnte mir ‘nen kleinen Eindruck verpassen, was die Macher da organisatorisch aufgefahren haben. Hielt sich einigermaßen in Grenzen würde ich sagen. Bartechnisch auf jeden Fall, denn mein Kollega Marlon war von 23 bis 3 Uhr dort und meinte, dass es wohl ziemlich schwierig war einigermaßen ordentlich an Getränke zu kommen. Unsere Praktikantin Alicia konnte das bestätigen. Toiletten waren wohl auch ein paar zu wenig da, aber ansonsten isses ganz ordentlich gelaufen und war wohl auch ‘ne fette Party. 6000 Tickets waren im VVK schon weg, es war am Samstag also rappelvoll das Ding.

Laut Polizei, gab es bis Mitternacht ein paar Anrufe, dass es wohl zu laut sei, aber ansonsten ein ziemlich reibungsloser Ablauf. Ein Typ der unter Drogeneinfluss etwas randaliert hat, das war‘s. Bei 6000 Leuten ist das ‘ne sensationelle Quote, würde ich sagen. Lustig auf jeden Fall diese kleine Anekdote: Etwa 17 Uhr, ich stehe an dem Kassenhäuschen, als ein etwa 55 jähriger Mann mit leicht bayrischem Akzent sich bei einen der Veranstalter mit folgendem Text beschwert: “Das kann man sich ja nicht anhören. Bum, bum, bum. Ich sitze auf meiner Terrasse und bum, bum, bum. Meinen sie das hört sich gut an? Machen sie die Musik jetzt bitte aus. Das kann man sich ja nicht anhören.” Dann ging ich schmunzelt weiter und hörte nur: ” … ich verstehe sie ja, aber, blablabla …!”

In der Kreiszeitung steht heute gar nichts und die Sindelfinger Zeitung zerfetzt das Festival in einem kleinen Dreizeiler und kündigt für die nächsten Tage eine ausführliche Rezension an. Ich bin mal gespannt, denn ich frage mich was dieser Kulturkritiker denn von solch einer Veranstaltung erwartet. Man kann elektronische Musik mögen oder nicht, aber dass das Ding kein Benefizkonzert wird und dort nicht nur Wasser getrunken wird, das muss man keinem realistisch denkenden Menschen erzählen. Clubtickets für ein gutes Booking im Rocker in Stuttgart zum Beispiel kosten fast die Hälfte. Wie viele “zu behandelnde dehydrierte Raver” gab es von den 7000 Besuchern? Drei, fünf oder zehn? Und zu welchem Konzert darf der Herr Kulturkritiker denn eigene Getränke mitnehmen? Ich muss sagen, ich bin alles andere als ein Raver, definitiv nicht. Und ich würde selbst nicht einmal auf das Festival gehen, aber da waren vielleicht 6000 Leute bei diesem Event in Sindelfingen. Und das ist mal ‘ne Ansage. Kein Chaos, keine Schlägereien, keine Verletzten, lediglich ein paar ältere Damen und Herren, die auf ihrer Terrasse bis 23 Uhr etwas Bass im Ohr hatten. Wie oft kommt das vor in Sifi? Nicht so oft, würde ich sagen. Aber vielleicht will man in der Daimlerstadt eher kleinbürgerliche Dinge supporten. Denn nachdem die Stadt vor einigen Wochen mit einer Sexsteuer die Erotik-Messe aus der Stadt gejagt hat, legt die Sindelfinger Zeitung jetzt nach. Ich finde es schade, man sollte doch froh sein, dass Sindelfingen (das gilt übrigens auch für BB) nicht ganz in seinem provinziellem Mief erstickt und solche Events hier stattfinden. Denn das Leben besteht nicht nur aus Ü30 Partys, Alpenmax, Benefizkonzerten von Lokalbands oder Kirchenchoralen. Direkt darunter gibt es dafür aber musikalischen Reichtum in der Martinskirche. Immerhin.

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So, genug der Worte, schauen wir mal, ob das Ding hier in Sindelfingen ‘ne Eintagsfliege war oder nochmals zu Besuch kommt. Auf jeden Fall fettes Booking, sicher verbesserungsfähige Organisation, ausverkauft, keine Polizeiaction und Paul Kalkbrenner. Hier noch ein paar Eindrücke von dem Herrn Kalkbrenner.

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Paul Kalkbrenner im Interview

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Dass Künstler aus der elektronischen Musikszene zum absoluten Superstar avancieren ist nach wie vor eher der Ausnahmefall. Das Paradebeispiel ist  Paul Kalkbrenner . In der Szene schon immer ein Garant für hochwertige und individuelle Produktionen, hat er mit dem Film „Berlin Calling“ in ganz Europa und auch darüber hinaus Beachtung gefunden. Der Soundtrack, allen voran der geniale Titel „Sky and Sand“ lief in den Clubs und Radiostationen rauf und runter. Als Headliner beim fünfjährigen Jubiläum des Day & Night-Festivals am 21. August in Sindelfingen spielt der Berliner jetzt seinen einzigen Gig im Raum Stuttgart. In diesem Rahmen sprach er mit uns über seine Tour, seine Pläne für die Zukunft, die Fußball-WM und über ein ganz besonderes Erlebnis in Stuttgart.

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Paul, du bist ja als großer Fußballfan bekannt und bist auch gerne mal im Fußballtrikot anzutreffen. Auch in „Berlin Calling“ sieht man dich in einem Frankreichtrikot. Bist du Sammler?

Naja, mittlerweile nicht mehr so, das hat sich über die Jahre ein wenig aufgelöst. Damals, als wir den Film konzipiert haben, war ich ja noch fünf Jahre jünger. Ich habe allerdings ein schönes Deutschlandtrikot von 1990, wie neu. Ich habe es sogar ein wenig umnähen lassen, weil der Schnitt einfach nicht mehr modern ist. Das ziehe ich dann natürlich an, wenn die Deutschen wieder spielen.

Aber das war schon richtig ernst gemeint, diese Trikotgeschichte?

Ja klar. Ich habe auch jetzt während der WM meine Tour unterbrochen, damit ich wirklich alle Spiele sehen kann. Tatsächlich habe ich mir sogar alle 32 Fahnen gekauft.

Lass uns vom Fußball zu deiner Tour kommen: der Tourstopp während der WM muss für dich eine neue und sehr gegensätzliche Erfahrung sein, wenn man den Rummel um deine Person und deinen Zeitplan in den letzten zwei Jahren betrachtet. Hast du den Trouble und das viele Reisen vermisst?

Nein, definitiv nicht, es war ja WM und das zelebriere ich schon sehr heftig. Wir hatten einen 60 Zoll-Fernseher, links und rechts daneben die Fahnen, das war schon eine tolle Sache. Bei jedem Spiel hingen andere Fahnen, immer von den jeweils spielenden Mannschaften. Dazu wohne ich in einem schönen Haus und da kann man auch sehr gerne mal mit mehreren Leuten richtig gut Fußball gucken.

Du bist einer der wenigen Künstler in der Szene, die auch richtig große Konzerthallen füllen. Wie hat sich deine Performance gewandelt? Stehen die großen Gigs im Vordergrund oder ist es dir wichtig den Kontakt zur Basis nicht zu verlieren und auch in kleinen Läden zu spielen?

Ich habe jetzt Anfang des Jahres eine große Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz gemacht, unter anderem in der Westfallenhalle in Dortmund oder der Jahrhunderthalle in Frankfurt. Die verbleibende Zeit bis zur WM habe ich dann allerdings wieder in kleineren Clubs gespielt, quasi als Ausgleich. Ich war zum Beispiel in Rom, Rotterdam und Bordeaux und sogar in Kanada beim Picnic Electronique. Gerade nach dieser Riesentour im deutschsprachigen Raum war es uns wichtig auch vermehrt international zu spielen.

Wird man dich bald nur noch große Konzerte spielen sehen?

Nein, nach meiner Tour werde ich mich jetzt erst mal wieder auf das konzentrieren was ich vorher gemacht habe, also in Clubs spielen. Da ist dann jetzt natürlich ein viel größerer Auflauf als zuvor, aber es sind immer noch die gleichen Clubs in denen ich seit Jahren spiele und auch in Zukunft weiterhin spielen werde.

Was macht den Unterschied zwischen einem Paul Kalkbrenner-Konzert und einem Gig im Club?

Das kann man schwer vergleichen. In einem Club sind die Gigs meist etwas kürzer, aber was soll’s? Dann spiele ich halt nur ein 90 Minuten-Set. Meistens werden es ja schon zwei Stunden, aber es ist doch ein Unterschied zu einem riesen Konzert, bei dem wir erst mal mit fünf Tonnen Equipment anreisen. Alleine der Aufwand alles aufzubauen und herzurichten ist auf so einem Konzert enorm, da habe ich dann allerdings auch fast vier Stunden gespielt und es geht dann auch mehr auf der Bühne, mehr Show, mehr Technik.

Du hast auf deiner Tour jedes Wochenende durchschnittlich zwei Konzerte gegeben. Lassen die vielen Shows denn noch Raum für Improvisationen oder ist deine Show komplett durchgeplant?

Nein, das ist nicht komplett durchgeplant. Ich weiß noch damals bei der Pilotvorstellung in der Columbia Halle in Berlin, da hab ich einfach um 23 Uhr angefangen und das hat sich dann hochgesteigert. Ich mag diese Konzerte sehr. Die Clubshows sind anders, kürzer und die Atmosphäre in einem Club ist auch ganz anders als auf einem Konzert. Aber das ist auch gut so.

Die Tracks aus „Berlin Calling“ wie „Sky and Sand“ kennt man mittlerweile in ganz Europa. Können wir denn bald neue Produktionen oder Remixe von dir erwarten?

Ja, ich arbeite gerade an verschiedenen Projekten. Unter anderem mache ich einen Remix für Moby und einen für Stromae aus Frankreich. Es ist sogar ein Remixprojekt für Rammstein dabei.

Nach dem Riesenerfolg, den du mit dem Soundtrack von „ Berlin Calling“ hattest, spürst du da schon den Druck ein neues Album nachlegen zu müssen oder bist du eher ganz entspannt?

Also von Druck kann keine Rede sein, aber ich möchte im nächsten Jahr schon gerne wieder was releasen. Allerdings machen wir derzeit jetzt erst mal eine Live-DVD. Die haben wir bei den großen Konzerten in HD aufgenommen. Natürlich wurde auch in den Clubs gefilmt und auch den Festivalsommer nehmen wir selbstverständlich noch mit, so dass wir am Ende des Jahres eine richtig schöne und vor allem auch sehr lustige Live-DVD releasen können.

Dein Gig beim Day & Night-Festival wird dein einziger im Raum Stuttgart sein. Welche Erinnerung verbindest du mit Stuttgart und der Region?
Ich hatte mal 2009 einen Gig im Romy S. Wer den Club kennt, weiß, dass er eher kleiner ist. Das Booking hatte man vier Monate im Vorfeld gemacht. In dieser Zeit kam aber durch den Film nochmal so viel Druck hinter die ganze Sache, dass der Club am Ende wirklich schon viel zu klein für die ganzen Leute war. Das war dann der absolute Ausnahmezustand.

Beim Day & Night wird es mehr Platz geben, versprochen. Was ist denn dein Festival-Highlight diesen Sommer, der ja jetzt nach der WM erst richtig für dich losgeht?

Definitiv mein anstehender Gig auf dem Burning Man. Das wird was ganz besonderes. Normalerweise kann ich diese Frage nie so eindeutig beantworten, weil ich die meisten europäischen Festivals sehr gut finde. Allerdings hat das Burning Man da doch noch mal eine Ausnahmestellung.

Vielen Dank für das Interview!

Das neue PIG, der Paule aus Berlin & neue Styles aus New York

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Die August-Ausgabe des PIG ist da und etwas Sindelfingen-lastig, was eigentlich eher die Ausnahme in den letzen Jahren war. Doch dieses Mal liegen die Top-Events und News klar auf der anderen Seite der Autobahn. So ist zum Beispiel der gute alte Paule aus Berlin in Sci Fi City zu Gast und bollert ‘n bisschen beim Day & Night-Festival.

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Übrigens, die Ausgabe hat ein leicht verändertes Gesicht abbekommen, denn die PIG-Chefs waren kürzlich zwei Wochen in New York, Rio und Tokio bei einem “Travelling & Layout”-Workshop mit dem Cousin von Andy Warhol und haben von dort die neusten Mag-Layout-Styles mitgebracht. Der Trend geht im August 2010 zu klaren Formen. Stil ja, überdrehen nein. Das gilt übrigens auch für das geschriebene Wort. Tiefe Ironie ja, Plattitüden nein. Dies kann sich im September schon wieder ändern oder auch gleich bleiben.


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