Los geht’s also hier am Hauptbahnhof in Stuggi. Unspektakuläre Verabschiedung von der Familie: „Also ge, ich bin dann mal weg…bis denn, dann.“ Rein in den Zug, Fensterplatz ohne Fenster, neben einem durchaus freundlichen, wenn auch ein wenig aufgedrehten, Ex-Achtundsechziger (verdient jetzt in der IT-Branche seine Blumen, wohnt in Hannover und hat ein iPhone, ja), nach einer guten Stunde wieder raus und dann steh ich halt da. Frankfurt Flughafen. Hab ich ein Glück, dass der nicht groß ist. Zum Glück wird da auch nicht überall umgebaut. Klasse.

Hart wie ich bin, schlag ich mich halt so durch, checke ein - „So Herr Eppler, einen guten Flug“ - und warte letztendlich auf die so genannte Boarding-Time. Dabei komme ich mir leider vor, wie bei Roland Emmerich. Ich allein am Gate, über die Bildschirme flackert eine Katastrophenmeldung nach der anderen. Vulkan in Island spuckt, in China bebt die Erde, furchtbar. Ich flieg ja nach Argentinien, da ist bestimmt alles in bester Ordnung. Und ab geht’s in den Flieger.

„On the cloud of unknowing, my world seems open“, klingt es aus meinen Kopfhörern (Von den Gorillaz, neue Platte ist grandios, nebenbei), als der riesige Vogel mit mir an Bord die Wolkendecke über Frankfurt durchbricht und einen gigantischen Blick freigibt. Ein unendlich scheinendes weißes Bett unter einem strahlend blauen Himmel. Weltklasse, denk ich mir, jetzt geht’s los. Ich sitz in einer Boing 777 in Richtung Washington um von dort noch einmal ein Stückchen weiter nach Buenos Aires zu fliegen (dann noch weiter ins legendäre Córdoba, aber dazu die nächsten Tage mehr). Drei Monate einfach weg, was neues sehen und erleben, mein Spanisch bisschen pushen und was sich halt sonst noch so ergibt (Heiraten in Argentinien, Rinder züchten, und so weiter – man weiß ja nie). Ach ja, arbeiten werde ich dort auch ein wenig. Kaum habe ich meinen Hintern in mein Plätzle am Fenster gedrückt, gibt es schon einen Willkommens-Snack: Mini Prezels - ha desch aber lieb.

Erste wirkliche Hürde ist dann das Abendessen, quasi ein Festmahl auf ca einem Quadratmeter. Gut, Festmahl ist vielleicht ein wenig übertrieben. Die Pasta (sieht aus, wie eine aus Resten zusammen geschusterte Pampe, schmeckt auch genauso) hat die Konsistenz wie normalerweise eine Butter. Diese wiederum ähnelt einem Stein. Das Brötchen, siehe Butter. Der Salat schmeckt wie Autoreifen, die Salatsoße, ach egal.

Als ich das Besteck auspacke, kommt mir der Gedanke, dass eigentlich alle Sicherheitsvorkehrungen überflüssig sind, denn mit diesem Messer kann man locker die Crew-Mitglieder abstechen und den Vogel kidnappen. Als ich gerade die feindliche Übernahme der Boing starten will, bricht das Messer dann doch ab. Wie? Butter und Brötchen waren zu hart.

Das Essen gehört definitv nicht zu den Stärken der United Airlines. Genau so wenig übrigens wie die Deutschkenntnisse der Bord-Crew und die technische Versorgung an Bord: Mein Bildschirm streikt die kompletten achteinhalb Stunden Flug und ich muss auf „Public Enemies“ und „Der Informant“ verzichten. Skandal. Also konzentriere ich mich eben weiter auf die Aussicht. Die lässt mich nicht im Stich. Oder ich beobachte meinen Nachbarn, der ist auch ganz amüsant. Auf Dauer doch alles langweilig, ich gönne mir „Gesetz der Rache“ auf meinem Laptop. Sehr guter Film, die letzten zwanzig Minuten muss ich mir allerdings aufheben, Landeanflug. Nocheinmal „Cloud of Unknowing“ bevor wir vom Himmel in die amerikanische Seifenblase eintauchen. Unendliche Anhäufungen ein und der selben Häuser. Hat aber Irgendwie was schönes, harmonisches – eine Seifenblase eben.
Washington, die Sonne ist gerade am Untergehen und meine Uhr zeigt 1:10 Uhr morgens. Ich bin verwirrt. Nach dem Essen gab es jedenfalls wenig Spektakuläres im Flieger, der Kollege neben mir hat ein bisschen geschnarcht, mehr nicht. Und so sitze ich jetzt nach gefühlten 46,5 Stunden Flug und 32,5 Stunden Warten an der Sicherheitskontrolle (Ich kann die Sicherheitsanweisungen nun in vier verschiedenen Sprachen auswendig wiedergeben) an Gate C7, bereit für den Abflug nach Buenos Aires. Flugzeit: 10,5 Stunden. Na dann…
PS: Ich hoffe ich verpenne den Sonnenaufgang nicht, ein wunderschöner Anblick. Wir werden sehen.