Tag: Weit weg

#20 Weit weg: Back home…

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Sonntag Morgen, Viertel vor Fünf. Mein Lufthansa-Vogel landet in Frankfurt. Nach genau hundertundzwei Tagen betrete ich erstmals wieder deutschen Boden. In wenigen Stunden werde ich in Stuttgart aus dem Zug steigen und nach Hause fahren. Nach Hause, geiler Scheiß. Was für ein tolles Gefühl, sich so auf die eigenen, bekannten vier Wände und die Stadt zu freuen. Stuttgart. Königsstraße, Schlossplatz und -park, Tonstudio und Hype Club, Stuttgarter Hofbräu. Und Spätzle, Kartoffelsalat etc. Die Liste ist lang, die Freude groß.

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#19 Weit weg: Einmal Kapitalismus. Bitte.

burger

Jetzt habe ich Argentinien endgültig verlassen. Schweren Herzens, defintiv. Aber auch mit der Gewissheit, dass mir noch eine Woche Urlaub bevor stehen. Samstag Abend bin ich in einem Ruf-Taxi (der Fahrer hat Vorfahren aus Stuttgart!) zum Internationalen Flughafen in Buenos Aires geheizt. Aus dem Radio tönte klassische Musik. Trauerstimmung war angesagt. Die ganzen dreizehn Wochen liefen vor meinen Augen ab wie ein Film. Ein verdammt geiler Film. Jetzt läuft der Abspann. Flughafen, Menschenmassen, United Airlines Schalter. Der letzte Satz lautet: „Einmal Kapitalismus, bitte.“ Ich lasse mir mein Ticket nach New York überreichen und ab geht’s.

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#18 Weit weg: Das war also Buenos Aires

tango


Ich sitze in einer kleinen Bar an einer menschenüberfluteten Straßenecke. Hier drinnen herrscht Ruhe, draußen Chaos. Buenos Aires. Platz sechzehn in der Liste der größten Städte der Welt, die größte in der ich bisher war. Wahnsinn. Gerade einmal sechs Tage habe ich hier verbracht. Das ist eigentlich nicht einmal genug um hier einen Stadtteil wirklich kennenzulernen. Ich habe sechs kennengelernt, im Schnelldurchlauf. Genug um sagen zu können, die Stadt ist ein Kracher. Aber auch genug um festzustellen, dass es sich bei Buenos Aires um nichts anderes handelt, als um Barcelona in groß. Oder sehr groß.

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#17 Weit weg: Gracias, Córdoba!

unacalle

Samstag Abend, zehn vor zehn. Ich sitz im Reisebus, erster Platz, oben, vorne rechts. Ich schaue durch die dreckige Scheibe und vor mit liegt der Busbahnhof Córdobas. Vor mir liegt Córdoba. Vor mir liegt aber auch eine zehnstündige Reise nach Buenos Aires. Der Bus kommt ins Rollen, verlässt den Busbahnhof. Er verlässt das Zentrum und schließlich die Stadt. Und dann liegt Córdoba ganz plötzlich hinter mir. Zusammen mit drei Monaten meines Lebens. Drei geile Monate, vielleicht drei der geilsten Monate meine bisheriges Lebens. Mit Sicherheit aber drei der wichtigsten. Es ist unbeschreiblich, wie viel ich in zwölf Wochen hier erlebt habe, wie viele neue Erfahrungen ich gemacht habe, was für tolle Leute ich kennengelernt habe und vor allem was ich fürs Leben gelernt habe (Sagt man doch so, oder?). Unbeschreiblich.

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#16 Weit weg: Was soll ich euch noch erzähl’n?

platzandersonne

…außer eine kleine Episode um was klar zu stellen.“ So singen EinsZwo. Ich kann nicht all zu viel erzählen im Moment. Meine „Gut gelaunt“-Tour 2010 läuft wunderbar. Langsam läuft die heiße Phase an und mir läuft die Zeit davon. Ich gehe meinen Weg. Läuft. Aber eben momentan relativ unspektakulär, es passiert einfach nichts spannendes. Córdoba ist abgenutzt. Ich war auf der größten kleinen Party überhaupt, habe miterlebt wie schnell argentinische Zweitligafans ein Stadion zum beinahe-Einsturz bringen können, habe Stunden auf einem Polizeirevier verbracht, bin durch Mittelerde spaziert und durch den Himmel gedüst, habe mit mit revolutionären Bakterien und trockenem Reis einen bitteren Fight geliefert und und und. Ich lebe noch, mehr ist nicht zu sagen. Ich bin noch genau drei Tage hier in der Stadt und wenn ich, nach einem möglichen deutschen Sieg, am Samstag nicht auf offener Straße abgestochen und anschließend gegrillt werde (das ist gar nicht soweit hergeholt. Einen Kumpel hätten sie hier am Sonntag fast zerlegt, wie wir die Engländer) dann fahre ich abends nach Buenos Aires, um da noch ein bisschen auf den Putz zu hauen.
Was ich denn im Moment hier überhaupt so treibe? Ja gut, sagen wir so: Ich lebe! Und ich genieße es! Und es ist geil. Ich stehe morgens auf um Fußball zu schauen. Wenn kein Fußball kommt oder sich Fußballgötter wie Slowakei (obwohl, die haben Italien rausgehauen hihi) und Neuseeland die Ehre geben, stehe ich auch nicht auf. So einfach ist das. Ansonsten wird ordentlich gespeist (habe nach der Reis-Folter ja einiges nachzuholen), ordentlich gefeiert und am Wochenende viel zu wenig geschlafen. Und bei Gelegenheit den Argentiniern noch ein paar deutsche Sprüche beibringen, ist auch immer drin. Ein Spaß, sag ich euch. Die sind nämlich gar nicht mal unbegabt. Nur zu toppen von einem Brasilianer, den wir hier kennengelernt haben und der mit perfekt bayrischem Akzent „Himmelarschkruzifixsackzementnochamoal“ fluchen kann. Zum Kaputtlachen.
Ja ja, so sieht’s aus. Alles wunderbar, meine Laune ist kaum zu steigern. Und so gut es mir hier auch gefällt und so lange ich auch gerne noch hier bleiben würde, so freue ich mich doch langsam wieder auf Deutschland. Unglaublich, aber wahr. Also ich vor gut drei Monaten meine sieben Sachen gepackt habe, um den Spießern und Kartoffeln den Rücken zu kehren, hinaus in die freie Welt, konnte ich mir nicht vorstellen, dass ich das alles mal vermissen könnte. Ok, die Spießer vermisse ich auch nicht, aber wenn man mal eine Weile hier wohnt, wo nur mit viel Glück Wasser aus der Dusche kommt, Telefone grundsätzlich nicht so oft funktionieren und wo man denkt isolierte Fenster oder Wände seien völlig überschätzt, dann freut man sich doch irgendwie wieder auf die Heimat, wo man telefonieren kann wann man will. Und duschen. Und vor allem im Warmen schlafen. Das hat aber nichts mit spießig zu tun, sondern wahrscheinlich einfach nur mit Gewohnheit. Vielmehr als diese Kleinigkeiten, sind es aber eigentlich ganz andere Dinge, die einem, in diesem Fall mir, das schöne Gefühl geben, dass man sich auf zuhause freuen kann. Die Familie, die Freunde, Maultaschen und Kartoffelsalat, Stuttgarter Hofbräu und natürlich mein geliebtes Stuttgart. Stuggi City, 0711-Town, der Kessel. Wie auch immer, ich freu mich drauf.
Bevor ich mich jetzt in Erinnerungen verliere, erstmal eins nach dem anderen. Am Samstag wird vermutlich erstmal Diego nach Hause geschickt, so leid es mir für ihn tut. Dann werde ich mich so unauffällig wie möglich zum Busterminal schleichen und den Trip nach Buenos Aires antreten.
Was ich in Buenos Aires vorhabe? Lecker essen, ordentlich feiern, was erleben. Leben! Viel Spaß. Danke.

Bei guter Laune darf natürlich eins nicht fehlen, mein ständiger Begleiter hier in Argentinien:

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#15 Weit weg: relax vs. collapse

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„In der Ruhe liegt die Kraft.“ Weise Worte. Wer hat’s gesagt? Keine Ahnung, aber mir hat es mein Vater stets eingetrichtert. „Cowboy, einfach immer alles ruhig angehen, dann klappt alles“, hat er immer gesagt. Sagt er auch heute noch und grinst wahrscheinlich gerade, bis ihm die Lippen aufplatzen. Er hat ja Recht und es hat mir auch oft geholfen. Aber er weiß auch, dass es einige wenige Situationen gibt, wo du dir lieber denkst, „ah, lass mal den Quatsch mit der Ruhe, jetzt aber schnell, sonst gut’ Nacht um sechs.“ Nun sollte eigentlich allseits bekannt sein, dass die Argentinier Zeitgenossen sind, die das mit der Ruhe ganz schön genau nehmen – Eigentlich das Einzige, das sie genau nehmen. Hier läuft alles in Ruhe ab, ohne Stress, ohne Hektik, nicht mal mit dem geringsten Ansatz von Eile. Da kann kommen was will. Und so cool ich diese Eigenschaft grundsätzlich auch finde, so ist es mir in den vergangenen Tagen doch zwei Mal etwas zu ruhig zugegangen. Denn dieses Bewusstsein, dass es Situationen gibt, in denen schnell gehandelt werden sollte, scheint hier nicht zu existieren.

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#14 Weit weg: Und dann fliegste da halt…

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Und ich dachte meine Laune ließe sich nicht mehr toppen. Wie naiv. Nach einer ziemlich ruhigen Woche und ein wenig Feierei am Samstag Abend, stand am Sonntag endlich wieder ein Kracher auf dem Programm. Paragleiten. Die Sierras um Córdoba, besonders der Ort Cuchi Corral, zählen zu den schönsten Spots im Paragleitbusiness. Perfekt zum Wochenende hat sich auch die Sonne wieder blicken lassen und das Thermometer bis auf 25 Grad gepusht. Optimales Wetter also, um ein bisschen fliegen zu gehen.

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#13 Weit weg: Gut gelaunt in Uruguay Teil III

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So, heute der dritte und letzte Teil der Story aus Uruguay, dem Land von dem viele Argentinier etwas arrogant sagen, es sei nur ein argentinische Provinz. Montevideo und den Holländer haben wir also zurückgelassen um den Dienstag Nachmittag und den Mittwoch Vormittag in Colonia zu verbringen, im Westen des Landes, von wo aus wir später auch wieder die Heimreise angetreten sind. Wunderschönes kleines Städtchen. Für mich persönlich deutlich sehenswerter als Montevideo. Was wir in Colonia getrieben haben? Ein Asado (eine fette Grill-Session quasi) veranstaltet – oder soll ich sagen zelebriert – , eine unvergessliche Nacht am Strand verbracht und die sehr schöne Altstadt besichtigt. Und wie immer gute Laune gehabt.

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#12 Weit weg: Gut gelaunt in Uruguay Teil II

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Ja, wo war ich stehen geblieben? Uruguay, Montevideo, wunderbar. Heute also der zweite Teil des fünftägigen Ausritts ins Land des ersten Weltmeister der Geschichte. Ich behaupte es platzt heute immer noch jeder Urugayo vor Stolz auf dieses Ereignis. Klar, das erste Turnier auszurichten und dann den Titel im eigenen Land zu holen ist schon ein einschneidendes Erlebnis. Unsere Kartoffel-Kicker haben das 2006 ja leider verpasst. Wie dem auch sei, hier also Teil zwei des Uruguay-Reports, Montag und Dienstag der vergangenen Woche. Die Innenstadt und das Fußballstadion inklusive Museum haben wir unter die Lupe genommen.

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#11 Weit weg: Gut gelaunt in Uruguay Teil I

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Die Zeit rast, es ist unglaublich. Sechs Wochen bin ich bereits hier in Argentinien am Start. Halbzeit. Das Ende schon vor den Tränen gefüllten Augen, muss ich langsam wirklich überlegen, was ich unbedingt noch machen, sehen und erleben will, bevor ich mich wieder in den Flieger Richtung Spießerhausen setze. Seit heute Morgen kann ich einen Punkt auf dieser Liste abhaken. Uruguay. Ein, wenn man denn von den zwei repräsentativen Städten auf den Rest schließen kann, wirklich schönes Land. Meiner Meinung nach zwar nicht so cool wie Argentinien, aber definitiv einen Trip wert. Um den ganzen Spaß hier zu erzählen, muss ich das wohl auf mindestens zwei Posts aufteilen. Wir waren immerhin sechs Tage unterwegs und übertrieben viel Text ist nicht gut, sagt mein Chef. Hier also der erste Teil: Freitag bis Sonntag - Die Anreise, viel Schlaf und Natur pur.

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#10 Weit weg: Atemberaubend in Mittelerde

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Die meisten haben die „Herr der Ringe“-Trilogie gesehen. Mittelerde ist landschaftlich gesehen schon ziemlich atemberaubend. Ich glaube ich war am Samstag dort. Denn, nachdem das letzte Wochenende nicht all zu sehr von Sport, Bewegung oder überhaupt etwas Gesundem geprägt war, haben wir vergangenen Samstag alles nachgeholt. Los Gigantes – Einen Teil der Sierras, der Gebirgskette um Córdoba, haben wir uns vorgenommen. Was es dort zu sehen gab, konnte nicht einmal die Eiseskälte und der dichte Nebel vermiesen. Die Kuhfladen, so groß, als würden sie von Dinosauriern stammen, übrigens auch nicht. Ein richtiger fetter Tag in Mittelerde.

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#9 Weit weg: “Schon was aufregendes erlebt?”

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Ich bin es schon wieder. Sorry, dass ich hier schon wieder meinen Senf abgebe, aber es muss sein: Vor zwei Tagen fragt mich der Derik (der mit den fetten Mixtapes hier auf der Homepage) im Chat „Hey, alles klar? Und, schon was aufregendes erlebt?“ An jedem anderen Tag hätte ich meine Standard-Antwort abgespielt: „Hey Mann, hier ist jeder Tag ein Erlebnis, alles perfekt, ich bin glücklich.“ Gestern gab es dann aber doch was „aufregendes“ zu berichten. Denn ich schätze bewaffneter Raubüberfall fällt unter diese Sparte.

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#8 Weit weg: Max Mustermann

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Seit ich hier in Argentinien bin, habe ich eine Menge neuer Leute kennen gelernt. Die meisten sind super freundlich und offen, ein paar wenige, beurteilt nach dem ersten Eindruck, etwas arrogant. Aber bei weitem nicht in dem Ausmaß, wie es in Reiseführern beschrieben ist. Insgesamt kann man sich als Ausländer hier sehr wohl fühlen. Unter anderen habe ich in dieser kurzen Zeit Juan kennen gelernt und er möchte sich hier kurz vorstellen:

Liebe Kartoffeln,

hallo zusammen, mein Name ist Juan Pablo Jiménez und ich bin quasi der, den Ihr Max Mustermann nennt. Was für ein beschissener Name, aber Otto Normalbürger ist auch nicht besser.
Jedenfalls bin ich etwa 28 Jahre alt und habe entweder ganz kurze oder relativ lange Haare, hinten zu einem Zopf zusammen gebunden. Schwarze Haare natürlich. Ich rasiere mich im Gesicht ziemlich ungern, von Brust und Rücken ganz zu schweigen. Wer hat, der hat. Und wer hat, der ist stolz darauf. Manchmal lasse ich neben meiner Brustbehaarung auch raushängen, dass noch ein paar Tropfen italienisches Blut in mir schwimmen: Ich habe mindestens zwei Handys (der eine Kerl am Flughafen hatte sogar fünf, davon hat er zwei gleichzeitig benutzt) und fahre für mein Leben gern Roller (wenn es sein muss auch Motorrad). Dabei gebe ich einen Furz auf die Verkehrsregeln und ziehe es vor, mich nach den Chicas am Straßenrand umzudrehen, als andere Verkehrsteilnehmer zu beachten. Logisch. Die Frauen in meinem Land sind sowieso das Wichtigste für mich. Spaß. Das Wichtigste sind der Mate, Politik und Fußball. Fußball ist unser leben, quasi. (Argentinien ist der Beweis, dass diese Leidenschaft keineswegs so primitiv erscheinen muss wie auf Ssschaaaalllllllke) Ich freue mich sehr auf die WM, natürlich gewinnen wir. Ich zweifel zwar sehr an der Qualität unseres Teams, aber wir haben Maradona. Der ist meiner Meinung nach zwar ein mieser Trainer, aber er ist eben Maradona. Ein Gott. Maradona schafft alles.

Was es noch über mich zu erzählen gibt? Hmm. Ich besitze keine Armbanduhr. Wozu, die Uhrzeit juckt mich ziemlich wenig. Davon abgesehen besitze ich sowieso nicht unbedingt viel an materiellem Reichtum, dafür quillt meine Schatzkammer über vor Lebensfreude, bin also eigentlich stinkreich. Mit diesem Reichtum protze ich auch gerne. Zum Beispiel, wenn wir uns nachmittags mit meinen Hombres im Park oder bei uns zu Hause auf der Dachterasse treffen, ein bisschen Mate schlürfen und ordentlich auf die Pauke (meistens sind es kleine Bongo-Trommeln) hauen. „Chillen“, würdet ihr sagen. Da sitzen wir dann bis in die Puppen und quatschen über alles mögliche. Unsere Lieblingsthemen sind Fußball, Frauen, Fußball und Politik. Wenn wir auf die Politik zu sprechen kommen, kann es heiß zur Sache gehen und wir lassen unserer Wut freien lauf. Wir beschimpfen die Monopolisten und Kapitalisten, ärgern uns über die Gesellschaft und werfen dabei gerne die ein oder andere revolutionäre Parole in die Runde. Und wenn wir schon bei Revolution sind, gestehe ich gerne, dass ich, wie fast jeder andere auch, zu Hause mindestens ein T-Shirt oder Poster von Ernesto „Che“ Guevara habe. Der gute Kerle.
Also, ich muss jetzt langsam mal Schluss machen, es ist gleich 23 Uhr und meine Hombres warten oben auf der Terasse auf mich. Ich hab ihnen gesagt, ich würde nur schnell ein paar Empanadas und ‘ne Cerveza vom Kiosk nebenan holen. Also ihr Kartoffeln, macht es gut und bleibt weiterhin schön steif, äh ich meine, haltet die Ohren steif.

Euer Juan Pablo Jiménez

Ein lieber Kerl, oder? Also ich verstehe mich super mit ihm. Falls ihm noch was typisches über sich einfällt meldet er sich nochmal zu Wort, hat er gemeint. Seine Freundin, Mariana Juanita Benitez, scheint übrigens auch ziemlich cool zu sein, die wird sich demnächst bestimmt auch noch vorstellen. Bis denn, dann.

PS: Das auf dem Bild oben, das könnte “ein Juan” sein. Gefunden habe ich ihn an einer Hauswand in Córdoba.

#7 Weit weg: Gschichtn Teil III

Hallo Heimat. Die Zeit vergeht bisher langsamer als ich befürchtet habe. Und das ist auch gut so! Das Schönste an der ganzen Sache ist, dass man nicht diesen Urlaubs-Gedanken hat („bin eh bald wieder weg“), sondern dass einem irgendwie bewusst ist, dass man jetzt hier lebt. Zumindest mal für 3 Monate. Jedenfalls mache ich inzwischen ein bisschen Sport und habe nun auch mein Praktikum angefangen, weswegen ich ja eigentlich, also offiziell, hier bin. Wegen der Arbeit. Ist klar.

Wie dem auch sei, ich erlebe weiterhin viele Kleinigkeiten, die ich für erwähnenswert halte. Viel Spaß mit „Gschichtn Teil III“.

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#5 Weit Weg: Gschichtn Teil II

Hallo Heimat. Die zweite Woche am anderen Ende der Welt ist vorbei. Ich konnte wieder einige witzige Sachen beobachten und erleben, für das PIG einen ultimativen Argentinien-Fast-Food-Check machen und mich erneut davon überzeugen, dass hier insgesamt alles ein bisschen lockerer, ruhiger, ja „gechillter“ zugeht. Ein paar “Gschichtn” gibt es nach dem Klick. Ich wünsche ein schönes Wochenende und einen schönen ersten Mai. Macht nicht soviel Radau …

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#4 WEit weg: Die große, kleine Party

fernet

Eigentlich wollte ich euch ein paar Tage Verschnaufpause gönnen, aber der gestrige Abend darf einfach nicht unerwähnt bleiben.

Es war quasi mein erstes Wochenende in Argentinien (das letzte hab ich ja hauptsächlich im Bus verbracht) und welches ist die wichtigste Frage, wenn sich die Woche dem Ende zuneigt? Klar, „was geht am Wochenende?“ Und gestern ging einiges.

Eine Schule in einem relativ armen Barrio. Aber keine normale Schule, sondern ein Zentrum der Geschichte der Indigenas, der Ureinwohner Südamerikas bzw. in diesem Fall Argentiniens. Das einzige im ganzen Land (in dem noch unterrichtet wird, wenn ich das richtig verstanden habe). Hier war eben gestern diese Fiesta: eine gesunde Mischung aus Konzert und Tanz, mit einer kleinen Prise Besäufnis …

Von Vorne: Meine Compañeros des Hauses (wenn ihr so wollt, meine Gasteltern), Lautaro und Victoria, 27 und 28 Jahre alt, erzählen mir, dass da eine Fiesta sei, in einer Schule. Gut bis dahin lässt sich relativ wenig darunter vorstellen, aber Fiesta klingt ja schon mal gut. „Wir wollen so um halb elf hier losgehen“, einverstanden, auf deutsch heißt das, wir gehen um elf los. Wir essen also zu Abend, genehmigen uns ein, zwei, sagen wir, mehrere Gläser „Fernet con Cola“ (Bild oben) - DAS Getränk in Cordoba, entspricht dem „Jackie-Cola“ - und unterhalten uns.

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#3 Weit weg: Gschichtn

Hallo Heimat. Eine Woche bin ich jetzt hier in Argentinien und jeder Tag ist ein Erlebnis für sich. Wenn man neu in einer Stadt, noch dazu in einem fremden, grundverschiedenen Land ist, sieht man alles mit anderen Augen. Es fallen einem Dinge auf, die man in der eigenen Stadt nie beachtet hätte. Jedenfalls hab ich schon das ein oder andere erlebt. Mal von der witzigen Sorte, mal interessant, manchmal auch Kurioses. Hier ein kleiner Rückblick auf meine erste Woche - Gschichtn eben:

Stinksauer

Heftig, heftig. Die Vulkangeschichte beansprucht auch hier in Argentinien weiterhin einige Seiten der Tageszeitungen. Wie es scheint, ist der Vulkan ziemlich stinkig und hat ordentlich Dampf abgelassen.

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(Fast) Ganz Europa ist, nach einer Schätzung von Dienstag, bis zu diesem Wochenende von der Gaswolke bedeckt, die reihenweise Flughäfen lahm legt. Dumm gelaufen. Aber immer das Positive sehen: Wenn das so weiter geht, kann ich vielleicht im Juli nicht nach Hause fliegen und muss hier bleiben…

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#2 Weit weg: Bienvenidos a Argentina

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Gute Neuigkeiten, ich habe den Sonnenaufgang nicht verpasst. Besser konnte mein Fotograf ihn leider nicht aufnehmen, da wir auf der falschen Seite des Fliegers saßen und kurz anhalten kam auch nicht in Frage, wir waren eh schon knapp dran mit der Zeit. War trotzdem schön anzusehen. Noch gigantischer war allerdings der Sternenhimmel in der Nacht. Viel zu schön, um ihn zu fotografieren und erst recht ihn zu beschreiben, wirklich atemberubend.
Nicht so schön war der Flug an sich. Ich habe keine Sekunde geschlafen und der erste Argentinier den ich kennen lernen durfte (der Hombre saß neben mir) war die Arroganz in Person und hat in 10,5 Stunden kein einziges Wort verloren. Schade.
Endlich in Buenos Aires angekommen, hat mich ein netter Herr direkt ans Hostel gefahren, eine kleine, aber feine Absteige im schönen Viertel San Telmo. Ziemlich fertig von den Strapazen des Fluges (arroganter Argentinier, erneut miserables Essen und eine Gruppe englischer Ausstauschschüler, die den ganzen Flug über nichts besseres zu tun hatten als Englisch zu reden. British English, please - Hilfe!) habe ich mich dann auf mein Bett geschwungen. Es hat mich ausgehalten und so konnte ich nach fast 40 Stunden endlich wieder schlafen.

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Heute Morgen mache ich mich nun auf nach Córdoba. Ein Hugo Chavez-Double fährt mich zum Busbahnhof. Laut Reisebüro und Reiseführern gibt es an argentinischen Reisebussen nichts auszusetzen. Meine Befürchtung, dass es sich dabei um eine krasse Lüge handelt bestätigt sich zum Glück nicht. United Airlines könnten sich mal ein Beispiel nehmen, was Bequemlichkeit der Sitze und Beinfreiheit angeht. So überstehe ich die elf Stunden fahrt nahezu problemlos.

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Auch Dank der Tageszeitung „Clarin”, die am heutigen Samstag so dick wie ein ganzes Buch ist. Hab einige interessante Artikel gefunden. Frankfurt, zum Beispiel, hat es sogar auf die Titelseite geschafft, mit seinem „schlafenden Flughafen”. Nur mal nebenbei, ich hatte eigentlich sehr viel Glück. Nicht mal zwölf Stunden nach meinem Abflug vom Frankfurter Flughafen wird dieser komplett geschlossen, hihi. Dazu gibt es im Innenteil ganze vier Seiten zu: Thema Vulkanausbruch. Und wenn man der Grafik dort glauben schenken darf, dann hat sich diese für Flugzeuge so gefährliche, aber unsichtbare Gaswolke bereits über ganz Europa ausgebreitet. Untergangsstimmung, quasi. Da hatte ich gar nicht so unrecht mit meiner Roland Emmerich-Anspielung in meinem ersten Post.

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Mein Favorit war dann aber doch ein Artikel über eine Diskussion, die derzeit in den Schulen Buenos Aires’ und dem Rest des Landes die Runde macht. Die WM. Hat nichts mit Schule zu tun, sagen viele. Einige Schuldirektoren sehen das anders. „Vom Unterricht fernbleiben ist während eines Spieles der Gauchos gestattet.” Die Weltmeisterschaft sei nicht nur ein sportliches, sondern auch ein gesellschaftliches, kulturelles und nun eben seit neuestem auch pädagogisches Event. Daher werden zum Turnierstart auch in vielen Schulen im Lande Fernsehgeräte in den Klaasenzimmer und Aulen aufgestellt. Ich find das eine super Sache.

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Und da Fußball und die Weltmeisterschaft schon so ein großes Thema sind hier, bin ich dabei mich ein bisschen umzuhören, was die Gauchos ihrer Selección so zutrauen. Kandidat Nummer Eins, Taxifahrer meint: „Jeder Einzelne könnte locker Weltmeister werden, aber zusammen wird das nichts” Na, na, was ist denn das für eine Einstellung (Oder Edip?), ich bleib auf jeden Fall dran.

Hier ein kleiner “Clarin” Live-Ticker: +++ Homosexuelle Ehen werden derzeit in Argentinien gerne mal gestattet, um sie dann kurz darauf wieder zu verbieten und aufzulösen. +++ Ein paar Straßen neben meinem Hostel wurde letzte Nacht ein Mann ausgeraubt und dann ermordet. Wohl doch nicht alles in Ordnung hier. +++ Das Wetter ist grandios, morgen bis 29 Grad (Wie sieht es in Deutschland aus?)

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PS: Buenos Aires hat mir sehr gut gefallen, gäbe schon einiges zu berichten. Verschiebe das aber auf Juli, wenn ich noch mal für eine Woche dort bin. Jetzt bin ich jedenfalls in Córdoba und bisher gefällt es mir sehr gut. Auf den letzten Kilometern hierher konnte mein Kollege mit der Kamera sogar noch einen schönen Sonnenuntergang festhalten.


#1 Weit weg: Das war hart

Los geht’s also hier am Hauptbahnhof in Stuggi. Unspektakuläre Verabschiedung von der Familie: „Also ge, ich bin dann mal weg…bis denn, dann.“ Rein in den Zug, Fensterplatz ohne Fenster, neben einem durchaus freundlichen, wenn auch ein wenig aufgedrehten, Ex-Achtundsechziger (verdient jetzt in der IT-Branche seine Blumen, wohnt in Hannover und hat ein iPhone, ja), nach einer guten Stunde wieder raus und dann steh ich halt da. Frankfurt Flughafen. Hab ich ein Glück, dass der nicht groß ist. Zum Glück wird da auch nicht überall umgebaut. Klasse.

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Hart wie ich bin, schlag ich mich halt so durch, checke ein - „So Herr Eppler, einen guten Flug“ - und warte letztendlich auf die so genannte Boarding-Time. Dabei komme ich mir leider vor, wie bei Roland Emmerich. Ich allein am Gate, über die Bildschirme flackert eine Katastrophenmeldung nach der anderen. Vulkan in Island spuckt, in China bebt die Erde, furchtbar. Ich flieg ja nach Argentinien, da ist bestimmt alles in bester Ordnung. Und ab geht’s in den Flieger.

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„On the cloud of unknowing, my world seems open“, klingt es aus meinen Kopfhörern (Von den Gorillaz, neue Platte ist grandios, nebenbei), als der riesige Vogel mit mir an Bord die Wolkendecke über Frankfurt durchbricht und einen gigantischen Blick freigibt. Ein unendlich scheinendes weißes Bett unter einem strahlend blauen Himmel. Weltklasse, denk ich mir, jetzt geht’s los. Ich sitz in einer Boing 777 in Richtung Washington um von dort noch einmal ein Stückchen weiter nach Buenos Aires zu fliegen (dann noch weiter ins legendäre Córdoba, aber dazu die nächsten Tage mehr). Drei Monate einfach weg, was neues sehen und erleben, mein Spanisch bisschen pushen und was sich halt sonst noch so ergibt (Heiraten in Argentinien, Rinder züchten, und so weiter – man weiß ja nie). Ach ja, arbeiten werde ich dort auch ein wenig. Kaum habe ich meinen Hintern in mein Plätzle am Fenster gedrückt, gibt es schon einen Willkommens-Snack: Mini Prezels - ha desch aber lieb.

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Erste wirkliche Hürde ist dann das Abendessen, quasi ein Festmahl auf ca einem Quadratmeter. Gut, Festmahl ist vielleicht ein wenig übertrieben. Die Pasta (sieht aus, wie eine aus Resten zusammen geschusterte Pampe, schmeckt auch genauso) hat die Konsistenz wie normalerweise eine Butter. Diese wiederum ähnelt einem Stein. Das Brötchen, siehe Butter. Der Salat schmeckt wie Autoreifen, die Salatsoße, ach egal.

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Als ich das Besteck auspacke, kommt mir der Gedanke, dass eigentlich alle Sicherheitsvorkehrungen überflüssig sind, denn mit diesem Messer kann man locker die Crew-Mitglieder abstechen und den Vogel kidnappen. Als ich gerade die feindliche Übernahme der Boing starten will, bricht das Messer dann doch ab. Wie? Butter und Brötchen waren zu hart.

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Das Essen gehört definitv nicht zu den Stärken der United Airlines. Genau so wenig übrigens wie die Deutschkenntnisse der Bord-Crew und die technische Versorgung an Bord: Mein Bildschirm streikt die kompletten achteinhalb Stunden Flug und ich muss auf „Public Enemies“ und „Der Informant“ verzichten. Skandal. Also konzentriere ich mich eben weiter auf die Aussicht. Die lässt mich nicht im Stich. Oder ich beobachte meinen Nachbarn, der ist auch ganz amüsant. Auf Dauer doch alles langweilig, ich gönne mir „Gesetz der Rache“ auf meinem Laptop. Sehr guter Film, die letzten zwanzig Minuten muss ich mir allerdings aufheben, Landeanflug. Nocheinmal „Cloud of Unknowing“ bevor wir vom Himmel in die amerikanische Seifenblase eintauchen. Unendliche Anhäufungen ein und der selben Häuser. Hat aber Irgendwie was schönes, harmonisches – eine Seifenblase eben.

Washington, die Sonne ist gerade am Untergehen und meine Uhr zeigt 1:10 Uhr morgens. Ich bin verwirrt. Nach dem Essen gab es jedenfalls wenig Spektakuläres im Flieger, der Kollege neben mir hat ein bisschen geschnarcht, mehr nicht. Und so sitze ich jetzt nach gefühlten 46,5 Stunden Flug und 32,5 Stunden Warten an der Sicherheitskontrolle (Ich kann die Sicherheitsanweisungen nun in vier verschiedenen Sprachen auswendig wiedergeben) an Gate C7, bereit für den Abflug nach Buenos Aires. Flugzeit: 10,5 Stunden. Na dann…

PS: Ich hoffe ich verpenne den Sonnenaufgang nicht, ein wunderschöner Anblick. Wir werden sehen.


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